Hypnotisierender, düsterer Post-Punk, der zu einem selbstvergessenen Tanz zwingt: Die zehn Tracks des neuen Albums von Koban sind, wie der Titel sagt, Obsession.

„Abject Obsessions“ ist das zweite Full-Length Album des kanadischen Duos und erscheint am 21. April bei Avant! Records. Es strotz vor schneidender Klangkraft, die einen von den ersten Sekunden an gleich einfängt. Im Vergleich zum Vorgänger „Vide“ klingt die Platte elektronischer und detaillierter. Gleich bleibt der starke Klang-Aufprall.

Es mag Frühling sein, doch ein schwarzer, wenn man „Abject Obsessions“ abspielt. Nach wenigen Sekunden, ab den Worten „My Pursuit“ katapultiert der Opener „This Pursuit“ in die Welt von Koban. Die Explosion aus schnellen Beats, der typischen, kontinuierlichen Synth-Textur und den zerreißenden Gitarren, die darunter den klopfenden Bass verbergen: Diese Elemente machen den Sound von Koban aus, den man in jedem Song gleich wieder erkennt. Dazu kommt die unverkennbare Stimme von Brittany West (auch Bass, drum programming und Synths). Schleppend und direkt singt sie fast auf eine Litanei-artige Weise. Obwohl sie sehr linear, ohne Schnörkel singt, erweckt ihre Stimme vielfältige Eindrücke. Manchmal klingt sie wie in Apathie eingehüllt, manchmal tief aus der Seele gesungen. Immer ist ihr Sound schwarz, glasig und matt.

Sexy und fast arrogant singt sie in der ersten Single des Albums, „Instict of Ego“, wo sie eindringlich „Does it make you sweat?“ flüstert. Und ja, der Track lässt schwitzen, klingt wie Bondage. Der Song beginnt sehr aggressiv mit dem rauen Gitarrensound und der schnellen Drum-Maschine, die zu einem Merkmal von Koban geworden ist. Der Track hat viele Wechsel und Details, hört sich wie ein lasziver Tanz in einem stockdunklen Kellerclub.

In „Lesser“ singt die andere Hälfte des „satanic murder couple“, wie die beiden sich selbst definieren. Der tiefe Gesang von Samuel Buss (Gitarre, drum programming, Synths) lässt den Song eher in Richtung coldwave bewegen, sehr schön ist im Hintergrund die verrückte Bassline.

Schnell und atemlos ist „Elias See‘s“, bestimmt ein Höhepunkt des Albums. Man wird gleich von der rasanten Drum-Machine und dem rauschenden Gesang weggeschnappt, man verliert sich in einem Vortex, man dreht sich im Kreis bis zum Umkippen. Sehr berührend und langsamer ist im Kontrast „Between the Differences“. „Release me“ singt Brittany West und man kann diesen verzweifelten Ruf fast sehen, man stellt sich vor, wie in einem dunklen Wald eine Frau mit offenen Armen sich die Seele heraussingt. Mit sexy-Beats und starken Synths schleicht sich „Illusion“ an. Der Song ist wie ein Zaubertrank, die Klänge glitzern und dämpfen. Der Gesang auf Französisch lässt die Stimmung mysteriös und fatal erscheinen.

Punkiger geht es in „Certain Tears“ ab, vor allem im Refrain. Die Gitarre ist eine Rasierklinge, die Beats laufen im Kreis und die Vocals haben eine eher ungewöhnliche Linie, die den Song wie ein brutales Kinderlied klingen lassen. Stark ist der Bass in „Maladie“, er dämpft und dunkelt die schneidende Stimmung ab. Besonders direkt wirkt der Gesang, wie eine Ansprache, ein nicht geschriener Schrei.

Viele Klangschichten legen sich eine nach der anderen auf die lineare Drum-Machine in „Le Couchemar“, der mit dem Doppelgesang im Refrain und dem orgelähnlichem Synth überzeugt. Mit einem Regen aus Synth-Lichtern, langgezogenen Gitarrenriffs und Doppelgesang schließt die zweite Single „We Run Red Lights“ das Album ab.

„Abject Obsessions“ ist ein sehr gelungenes Stück Post-Punk, wo Melancholie und rabiate Kraft Hand in Hand gehen. Elektro-Elemente sind perfekt zu den starken Gitarren- und Bass-Riffs balanciert, sodass Koban dark aber nie zu kalt klingen. Koban ist tiefe, explodierende Dunkelheit.

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