Auf der Suche nach deutschen Nachwuchsmusikern hat lala Schallplatten am richtigen Ort gesucht- und an sächsischen Kleiderschränken angeklopft. Denn genau hierher zieht sich der Singer/Songwriter Kleinstadtlicht mit seiner Gitarre zurück, um seine Songs in guter alter Homerecording-Manier einzuspielen. Oder, im Falle seines dritten Albums „Unsere schönsten Schlösser aus Luft“, Traumschlösser zu bauen.

Die klingen so gar nicht nach Mottenkugelmief und Kleiderbügelgeschepper, sondern nach rastlosen Spaziergängen im Schnee, zerwühlten Laken am Morgen und Zigarettenrauch unter Laternen: Bist du denn so kalt? / Liegt dein Herz hier im Schnee? / Wie lange willst du suchen / und Wie weit noch? / Bis wir angekommen sind? / Oder werden wir das nie?

Es sind fragile Schlösser, nicht solche, wie sie zu Hauf mit Herzen verziert an Brückengeländern hängen. Ihr Fundament ist ins Wanken geraten, ob die Mauern das Außen abhalten oder das Innen einsperren sollen, weiß niemand so recht. Zwischen ihnen steht eine Beziehung im Raum, in der Vieles unausgesprochen, Ausgesprochenes unverstanden bleibt, die Suche nach dem „wir“, das da mal war, vielleicht noch irgendwo ist?

Getragen von einer Stimme, die oft wegbricht, hier murmelt, sich dort vor Hast überschlägt, glimmt das Kleinstadtlicht zwischen Hoffnungsschimmer und Irrlicht. Die erste Hälfte des Albums wird getrieben von überraschend zackigen Indie-Riffs, hier und da sparsam eingesetztem Schlagzeug, eine dynamische Flucht vor der Resignation, die ein paar Takte weiter lauert: Wenn die Lügen jetzt wahr sind / wird es dann besser? / Es tut uns leid / doch nicht mehr weh.

Die zweite Hälfte lässt es langsamer angehen, schunkelt in „Auf dass wir darauf warten“ zu Akkordeonklängen zwischen Melancholie und… Nunja, Melancholie. Der neunte Track „Vom Ankommen und Abschied nehmen“, der die Thematik des Albums von einem Chor gesungen auf dem Punkt bringen, überrascht mit einem verhallten Postrock-Klimax, der in der schlichten Feststellung verpufft: Denn das hier ist das Leben / Ankommen und Abschied nehmen.

Kleinstadtlicht ist ein großer Fan des Küchenkonzerts, der Art von Veranstaltung, in der gefühlt jeder bei jedem auf dem Schoß sitzt und es umso leichter fällt, miteinander anzustoßen auf die alten Zeiten und das, was da noch kommen mag. Die Art von Gemeinschaft, der es genau so an Platz fehlt wie sächsischen Kleiderschränken, aber die Raum lassen für Erinnerungen und Pläne. Für Luftschlösser, eben.

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