Eindringliche Songs von einem Osnabrücker, die gar nicht so klingen wollen: Joseph Myers‘ Songwriting erinnert viel eher an die etwas schwermütige Art eines Damien Rice.

Stimmlich sind die beiden gar nicht so weit voneinander entfernt, trotzdem hat Myers natürlich sein eigenes Territorium abgesteckt. Stets begleitet von seiner Gitarre und manchmal auch etwas größerer Instrumentierung – Drums, Bass, Klavier, Streicher sind immer wieder zu hören – kehrt der Sänger sein Inneres auf „Puzzles and Places“ nach Außen.

Es geht um Persönliches, gleichzeitig um Alltagsprobleme, mit denen jeder zu kämpfen hat. Vielleicht lässt das die Songs von Joseph Myers so nah und vertraut wirken: Man erkennt sich selbst immer in Teilen seiner Lyrics wieder. Die großen Gefühle sind es, die man kennt und gerne auch banalisiert, die aber das Leben lebenswert machen.

Myers singt auf Englisch, obwohl er Deutscher ist. Im Interview sagte er: „Mit englischer Lyrik habe ich viel mehr Möglichkeiten als mit deutscher.“ Seinen Songs tut das auch keinen Abbruch, im Gegenteil, man hat das Gefühl, als ob Myers seine eigene Ausdrucksweise gefunden hat. Es gelingt ihm, seine Gefühle in seinen Songs zu kanalisieren.

Musikalisch bewegt sich der Songwriter in eher ruhigen Gewässern, die den Reisenden (Hörer) selten überraschen. Wenn man das Genre für sich betrachtet, ist das aber gar nicht so unberechtigt: Die Lyrics sollen schließlich gehört werden und von der Musik transportiert werden. Schön ist der weibliche Gastgesang und die elektronischen Samples bei „Footsteps“ . Diese klanglichen Variationen bilden einen interessanter Kontrapunkt zum ansonsten vorherrschenden Sound.

In Teilen der Produktion hätte man an einigen Stellen ein paar Ecken und Kanten weniger ausschleifen können. So wirkt das Album manchmal eine Spur zu glatt, zwar nicht klinisch, aber zu brav, zu rein. Eine schwermütige Stimmung drückt sich manchmal gerade in der Unperfektheit eines Takes aus, eine gewisse F*ck-Off-Haltung gehört dann natürlich dazu. Das muss man nicht so machen, keine Frage. Einen kleinen emotionalen Ausbruch, so wie es ihn beispielsweise öfters bei Conor Oberst zu hören gibt, hätte „Puzzles and Places“ trotzdem vielleicht noch etwas gegeben.

Alles in Allem legt Joseph Myers hier dann aber doch ein sehr solides Album vor.
Perfekt für den kommenden Herbst und Abende zuhause, in denen man sehnsüchtig Träume spinnt, Luftschlösser baut und vergangenen Zeiten nachhängt.

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