Herzstück und gleichzeitig musikalische Halbzeit bildet das wunderschöne „Harmonia“ dessen bittersüße Melodien gegen Ende von Streichinstrumenten abgelöst werden, welche zum Teil sehr an den isländischen Komponisten Olafur Arnalds erinnern.

Jakob sind zurück! 8 volle Jahre hat es gedauert bis uns das sympathische Trio aus Neuseeland ihre neue Platte „Sines“ präsentieren konnte. Grund dafür war jedoch nicht Faulheit oder gar eine künstlerische Blockade, sondern schlicht großes Verletzungspech innerhalb der Band. Erst verletzte sich Gitarrist Jeff Boyle am Handgelenk, später Drummer Jason Johnston an der rechten Hand, was musikalische Arbeit zeitweise unmöglich machte.

Doch nun ist sie da und die entscheidende Frage ist: Hat sich das Warten gelohnt? – Ja, definitiv! Jakob liefern ein Album ab, welches sowohl neue als auch alte Fans begeistern wird und gleichzeitig ihre Position zur Speerspitze des Post Rock zu gehören manifestiert.

„Blind Them With Science“ dürfte dem interessierten Leser größtenteils bekannt sein, da dieser Song bereits seit Anfang Oktober mit passendem Video auf YouTube zu sehen ist, erwähnenswert ist allerdings, dass gerade dieser Song mit seiner zum Ende hin leicht rockigen Attitüde und Eingängigkeit wahrscheinlich den am wenigsten repräsentativen Song für die ganze Platte darstellt. Das heisst nicht, dass das Album komplizierte Songstrukturen beinhaltet, viel mehr das Gegenteil ist der Fall. „Sines“ besticht durch seine Schlichtheit und stellenweise hypnotische Wirkung der immer wiederkehrenden Melodien, welche einen metaphorisch tröstend in den Arm nehmen und vor all dem Bösen der Welt beschützen .

„Magna Carta“ kombiniert dieses hypnotische mit kleinen Versatzstücken druckvoller Gitarrenriffs, und sorgt somit für die nötige Bodenständigkeitum nicht völlig in andere Sphären abzugleiten. Der Name „Magna Carta“ wurde hierbei doch sehr passend gewählt, bedeutet es, wenn man es wortwörtlich übersetzt doch „Urkunde der Freiheit“ und Jakob bewegen sich musikalisch eindeutig frei und authentisch. Noch dazu sind Timing und Präzision eine große Stärke der Band und tragen maßgeblich zur Atmosphäre bei.

Herzstück und gleichzeitig musikalische Halbzeit bildet das wunderschöne „Harmonia“ dessen bittersüße Melodien gegen Ende von Streichinstrumenten abgelöst werden, welche zum Teil sehr an den isländischen Komponisten Olafur Arnalds erinnern.

Auch Produktionstechnisch wurde ganze Arbeit geleistet. Alles wirkt sehr organisch und in warmes Licht getaucht. Das Schlagzeug wechselt zwischen kraftvoller,  aber unaufdringlicher Präsenz („Resolve“) und leiser Zurückhaltung („Darkness“). Beim abschliessenden Titelsong fehlt es sogar völlig. Gesang war selbstredend genretypisch sowieso schon immer überbewertet.

Fazit: „Sines“ ist trotz seiner musikalischen Schlichtheit sehr abwechslungsreich und freundlich melancholisch. Der optimale Soundtrack für den bevorstehenden Herbst, die Band wird sich nun einmal mehr an sich selbst messen lassen müssen.



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