Ich bin selber Musiker und kann deshalb voller Respekt behaupten: Sébastien Touraton ist ein hervorragender Komponist und Songwriter und braucht sich hinter Filmkomponisten wie Hans Zimmer nicht zu verstecken. Das hier ist Klassik im Post-Rock Kostüm mit Pop Schminke. Wer das verpasst, ist selber Schuld.

Als erstes möchte ich Euch Lesern mitteilen, dass ich folgende Sätze nicht schreibe, weil mir der Chefredakteur ein Album zur Rezension vorgelegt hat. Nein, viel mehr habe ich es mir selber als Rezensions-Objekt meiner Begierde selbst vorgeschlagen. Warum das Ganze? Warum schreibe ich über ein Album, welches im Oktober letzten Jahres erschienen ist? Warum unterstütze ich einen Künstler, der nicht einmal ein Label im Rücken hat? Warum rezensiere ich ein Album, dass für Pretty in Noise doch eher untypisch ist, weil es komplett aus den üblichen Indie, Rock, Pop Schubladen herausfällt? Ich möchte Euch sagen warum: Dieses Album, nein ich möchte lieber den doch etwas hochtrabenden Begriff „Werk“ anführen, hat meinen, doch eher im Rock verwurzelten, Musikgeschmack komplett umgekrempelt. Mit anderen Worten, dieses Werk ist zu einem treuen Begleiter geworden.

heklAa ist der Mittdreißiger Sébastien Touraton aus Frankreich, der mit „My name is John Murdoch“ eine waghalsige Mischung aus Post-rock, düsterer Filmmusik und Pop kreiert. Dabei geht er mit einer unglaublichen kompositorischen Klasse zu Werke, dass einem Angst und Bange wird. Seine Songs, beziehungsweise Kompositionen, basieren alle auf klassischen Piano Akkorden/Melodien und werden von Gitarren, Bass, Schlagzeug, Trompeten und Synthesizer verziert. Hierbei schafft es heklAa auf Albumlänge eine Stimmung zu erzeugen, die zwischen Hoffnung, Melancholie, Depression, Trauer und Freude hin und her pendelt. Dieses Pendeln passiert teilweise sogar innerhalb eines Songs und macht dieses Werk umso Atemberaubender.

„Episode 4: Dance with the shadows“ schafft sogar den unglaublichen Spagat, orientalische Melodien mit Mariachi Trompeten zu verbinden. Klingt unglaublich? Überzeugt Euch selbst. Der Song „Episode 5: Remembering shell beach“ umgarnt den Hörer mit wundervollen, dynamisch gespielten Piano Akkorden. Diese bleiben sofort im Ohr kleben, fast so als würde man versuchen, sich mit in Honig getränkten Ohrenstäbchen die Ohren zu reinigen. Die Synthie-Melodien in diesem Song schießen einen in Jan Tenner Galaxien (kennt die Zeichentrickserie aus den 80ern noch jemand?) und schaffen unglaubliche Weiten im sowieso schon oppulenten Klangbild. Und wenn dann noch gegen Ende der verzweifelte Gesang einsetzt ist man endgültig gefangen von diesem Song. Aber eigentlich ist es sinnlos hier Songs hervorzuheben (ich tat es soeben trotzdem), da dieses Album aus Songs besteht, die wie Flüsse ineinander münden. Überhaupt gefällt mir das Bild von Gewässern in Bezug auf HeklAa ausgesprochen gut: Ruhige Seen, deren Oberflächen einem Spiegel gleichen und trotzdem den Blick auf den Grund zulassen, ruhige kleine, vor sich hinplätschernde Bäche, wilde reissende Flüsse und Meere mit mannshohen Wellen – all diese Bilder verkörpern die Vielschichtigkeit in den Kompositionen von Herrn Touraton.

Ich bin selber Musiker und kann deshalb voller Respekt behaupten: Sébastien Touraton ist ein hervorragender Komponist und Songwriter und braucht sich hinter Filmkomponisten wie Hans Zimmer nicht zu verstecken. Das hier ist Klassik im Post-Rock Kostüm mit Pop Schminke. Wer das verpasst, ist selber Schuld.

Das Album gibt es als „pay-what-you-want (no minimum)“ download auf bandcamp.

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