Gute Musik aus Deutschland scheint nach wie vor Mangelware zu sein (erst recht im Vergleich zum Wust an wirklich schlechter Musik aus Deutschland) – da bleibt zu hoffen und bei gleichbleibender Qualität auch zu erwarten, dass man von Empire Years noch einiges hören wird.

Auf Retrowellen reiten kann die aktuelle Popmusik erwiesenermaßen ganz gut. Manchmal klingt das ja nett, manchmal weniger nett, manchmal eher peinlich, meistens aber vor allem nicht authentisch.

Bei Empire Years ist das anders. Dass die vier Stücke der Caveman-EP nicht aus dem Großbritannien der Thatcher-Ära stammen, verrät dem Hörer eigentlich nur die im direkten Vergleich bisschen zu klare Produktionsqualität. Abgesehen davon klingt alles hübsch authentisch nach dem, was landläufig nun trotz aller ursprünglichen Diversität des Genres unter dem Begriff „Post-Punk“ zusammengefasst wird. Oder New Wave. Ganz ironisch vielleicht auch Retro-Wave? Oder was auch immer.

Fakt: Es gefällt dabei sehr gut und ist in all seiner genreinhärenten Kälte erfrischend.

Klar, schriebe man sich „Post-Punk-Revival“ beim Musikzeitschriftenbuzzwordbingo auf den Zettel, erhöhte dies zusammen mit „Post-Hardcore“ und allen anderen „Post“-Begriffen (ausser vielleicht „Post-Bote“ und „Post-Paket“) die eigenen Gewinnchancen ziemlich. Empire Years sind wahrlich nicht die ersten, die sich mit der Aktualisierung dieser Musikrichtung befassen. Die Kernkompetenz ist hier stattdessen vor allem, eben nicht wie viele andere, nach kommerzialisiertem Retro oder Revival, bemüht und aufgesetzt zu klingen, sondern wirklich authentisch und – gut.

Auf gerade mal 15 Minuten Spielzeit demonstrieren Empire Years diese Kernkompetenz anschaulich: was sich auf der Caveman-EP findet, ist eben einfach gute Musik mit guten Texten, Post-Punk, New-oder-so-Wave, was auch immer – wenn man böse, dafür generalisierend und somit massenkompatibler sein will: gutgemachter Indie. Aber so böse will man doch nicht sein. Das ausschließliche Prädikat Indie würde den hier dargebotenen Musiken auch nicht genüge tun, sondern das ganze eher in eine etwas schmierige Ecke rücken, bevölkert von hageren Sechzehnjährigen in Ponchos mit komischen Frisuren. Das hier ist Musik für Erwachsene mit Geschmack.

A propos Massenkompatibilität: Den Avantgardisten unter den Post-Punk-Hörern werden diese vier wohlarrangierten Songs vermutlich viel zu kommerziell klingen. Nun, wirklich experimentell ist hier wenig, dafür dann aber gut abgestimmt, hörbar, eingängig und (um mich mal ex negativo bei den Neubauten zu bedienen) ohne Schmerzen zu hören. Dafür mit Freude. Und vielleicht sogar zum entspannen. Klanglich stressig sind diese vier Songs nun zum Glück wirklich nicht.

Ob nun der Opener Easy mit Reminiszenzen an alle möglichen Wave-Briten der letzten 30 Jahre aufwartet oder das letzte Stück For Some Reason, das auch post-math-oder-so-rockigere Gitarrenklangwelten erkundet: Alles klingt schön heimisch und neu, althergebracht und erfrischend zugleich.

Und das schöne: Man will’s auch mehr als einmal hören. Und das noch schönere: Das kann man auch tun. Auf der Bandcampseite von Empire Years.

Bonus: Dortmunder können eben nicht nur Real Madrid besiegen, sondern, wie man hier sieht, auch gute Musik machen. Ok, nicht jeder hat einen so einfach zu lokalisierenden Akzent wie James Graham von The Twilight Sad, aber in Dortmund hätte ich Empire Years nun auch nicht verortet. Dass diese Band eben nicht aus irgendeinem avantgardistischen Winkel der Welt, sondern von hier um die Ecke kommt, macht’s umso schöner. Gute Musik aus Deutschland scheint nach wie vor Mangelware zu sein (erst recht im Vergleich zum Wust an wirklich schlechter Musik aus Deutschland) – da bleibt zu hoffen und bei gleichbleibender Qualität auch zu erwarten, dass man von Empire Years noch einiges hören wird. Vor allem auch, neues Material. Eine Schande, wenn dem nicht so wäre.

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