EF ist eine seit zehn Jahren bestehende Postrock-Band aus Göteburg/Schweden, die mit „Ceremonies“ im September ihr viertes Album herausbringt. Warum ich bis vor kurzem noch nie von dieser Formation gehört hatte, obwohl sie sich auf MOGWAI sowie SIGUR RÒS beziehen und zudem ein bisschen wie EXPLOSIONS IN THE SKY klingen, mag unter Anderem aufgrund des Bekanntheitsgrades der Gruppe verwundern, soll hier aber nicht weiter behandelt werden. Sprechen wir lieber über das neue Werk von Tomas Torsson (Gitarre, Gesang, Akkordeon), Daniel Öhman (Gitarre, Gesang und Laptop) und Niklas Åström (Gitarre sowie Melodica).

EF bringen ihre Alben seit jeher bei dem schwedischen Independent-Label „And The Sound Records“ raus. Die Band hält ihre DIY-Philosophie hoch, was nicht verwundert, denn mehrere der Mitglieder kommen aus dem Hardcore-Bereich, was den ersten Scheiben (unter Anderem veröffentlich auf CD-ROM sowie Seven-Inch-Vinyl) teilweise noch anzuhören ist. Im Laufe der Jahre wurde die Musik aber immer „postrockiger“. Anders als manche Kollegen des Genres scheinen die Jungs keine Berührungsängste mit diesem Wort zu haben.

Ruhige Pianoklänge eröffnen „Ceremonies“. Bei „Bells, bleed & Bloom“ ist gleich Gesang zu hören, was erst Mal etwas befremdlich wirkt, da das Lied wie ein regulärer Song rüber kommt. Doch dies bleibt nicht lange so: schon nach zwei Minuten öffnet sich der Track mit orchestralen Klängen und interessanten Postrock-Gitarren. Während das erste Lied relativ eingängig ist und die Dramatik auf einem gleichen, mittleren Level bleibt, ändert sich das bereits beim zweiten Track „Yield, heart. Yield!“ wird während zwölf Minuten Laufzeit ein ganz eigener Musik-Kosmos entworfen, der einen in die EF-Welt hineinzieht, teilweise zärtlich an der Hand nimmt, aber zwischendurch auch am Schlafittchen durch´s Universum zerrt, bis man am Schluss geläutert in die so genannte Realwelt zurück kehrt und das Gefühl hat, durch wenigstens fünf verschiedene Lieder…geschwommen…..gereist zu sein. Nicht nur durch das dramatische Auf- und Abschwellen der Musik, sondern auch durch den (teilweise vorhandenen) Falsett-Gesang werden tatsächlich Erinnerungen an SIGUR RÒS wach. Glockenspiel und opulente Instrumentierung tun ihr übriges. Dennoch klingen EF eigenständig, da sie häufiger mal anders als ihre Vorbilder mit den Stromgitarren umgehen und manchmal einen klaren, rhythmischen Weg gehen, der eher an regulären, aber guten Rock erinnert. Dem Vernehmen nach gibt es auch etliche Metal-Fans, welche der Band so einiges abgewinnen können.

Womit wir beim bereits seit 2012 bekannten Lied „Delusions of grandeus“ von der gleichnamigen EP sind: dies ist ein weiteres Highlight und bekam positive Kritiken in der Metal-Musik-Presse. Neben sehr eigenartigen Drums fallen hier die harmonisch in Dur schwelgenden Blasinstrumente auf.

Ausgerechnet das Lied „Sex“ dauert nur drei Minuten. Ein Schelm, wer hier Böses denkt…der Track besticht durch chorale Gesänge (hier ist auch eine Sängerin dabei) ohne Text und durch Streicher, die zart ihren Weg durch die rechts und links klingenden Gitarren bahnen.

„Lake Vaettern“ schleicht sich heran wie eine kleine, böse Kreatur. Nach vier Minuten – die Hälfte des Tracks – kommt dann der erwartete Ausbruch: nicht ein Vulkan, sondern die leicht ambient-artige Musik explodiert in übereinander geschichteten Postrock-Gitarren und interessantem Schlagzeug-Rhythmus. Doch auch dieses Lied ändert sich noch mal in den letzten zwei Minuten und bekommt einen ganz neuen Charakter.

„Where G. Mallory sleeps“ wirkt ein wenig wie eine Zusammenfassung aller guten Trademarks von EF, während der „Rausschmeisser“ „Thee Barren Soil Of Messaure “ ein kompakter Ohrwurm ist, dessen Streicher und Bläser für die nächsten ein bis zwei Stunden noch in den Ohren bleiben.

Eine Stärke von „Ceremonies“ ist, dass die Lieder gebündelt und wie aus einem Guss wirken, so sehr auch in diverse Richtungen (während EINES Tracks) experiment und erforscht wird. Das komplexe Album ist SEHR schön anzuhören, wächst bei mehrmaligem Hören und ist – wie ich in den letzten Tagen gemerkt habe – leicht suchterzeugend.

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