Downhill Willows klingt rund, sanft und kratzig zugleich mit seinen Verzerrungen und klar strukturierte Pop-Melodien: Das Trio aus Berlin (Kenneth Estrada y Santiago, Stimme und Bass; Mario Graute, Drums und Stefan Sebekow, Gitarre) hat mit seiner selbst betitelten EP sein Debüt veröffentlicht.

Downhill Willows sechs Tracks stellen einen vollen Sound vor, wo Feedback-Effekte, starke Bass-Lines und ein klarer, sauberer Gesang zu einer 90er Jahre Dream-Rock-Patina verschmelzen. Immer schwebt eine gewisse Melancholie über diesen Songs, doch diese ist nie bedrückend, sondern eher umarmend und oft sorgen die eingängigen Gitarren-Riffs für eine Bewegung nach oben, wie eine positive Hoffnung.

So ist es zum Beispiel im Opener “Trauma”, wo die helle Gitarre wie ein Erwachen klingt. Währendessen klingt der tiefgrabende Bass sehr schön und dunkel im Kontrast. Es ist ein Song über Enttäuschung und Illusionen, die Stimme trägt zu dieser traurigen Mood bei, doch nie erklingt eine Verzweiflung. Im Gegenteil öffnet sich eine breite Atmosphäre:“Trauma” ist eine Art “Danach-Song”, wenn alles überwunden ist und man fast mit einem halben Lächeln die Trümmer hinter sich hinterlässt: “Clouds dissolving , they’re all gone, and I feel so pure”.

“Limbo” schafft eine perfekte Verbindung zwischen hervorrufener Stimmung und dem Sound. Nach einem atmosphärischen Einstieg, der ruhig etwas länger hätte sein können, startet ein schnellerer Gesang, begleitet von dem Drums und einem dichtem Bass-Puls. Es erweckt eine Art Unruhe, genau wie die, welche die Lyrics beschreiben. Ein Rennen und Ringen der Gedanken, während man sich nicht bewegen kann.

Mit einem sehr catchy Gitarren-Riff beginnt “Machines”, man erwartet dann eine schnelle Wave-Nummer, doch das Lied entwickelt sich anders. Der Bass nimmt mehr Platz ein, man bleibt an dieser Linie kleben, fast hypnotisiert. Die kratzigen Gitarren wollen alles abwischen, die Stimme führt nach oben, doch dieser Bass gibt Halt und man ertappt sich immer wieder dabei, ihm zu folgen.

Akustische Gitarren erklingen im sehr träumerischen “Silhouette”, ein Lied, das wie eine Atempause klingt. Das positiv angehauchte “End’s Anthem” fällt ein bisschen flach auf, irgendwie ohne Power stellt der Song nicht das Beste von Downhill Willows dar.

Mit dem noisigen Outro “Moon 17” schließt die EP ab. Und dieser härter Ton ist eigentlich, was besonders Shoegaze-Liebhaber vielleicht in der gesamten EP vermissen könnten: Etwas mehr Noise, längere instrumentelle Teile. Denn Downhill Willows setzen viel auf den präsenten, schön klingenden Gesang und auf oft poppige Song-Strukturen. Es gibt immer eine erkennbare Melodie, einen komfortablen Weg durch die Feedbacks und Echos.

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