In diesen düsteren, furchteinflößenden Zeiten kann einen manchmal nur eine neue Dinosaur Jr.-Platte retten. Mit „Give Me A Glimpse Of What Yer Not“ hat die Band schon wieder ein Antidot gegen den Schwermut der heutigen Zeit zubereitet.

Dass es dieser Haufen träger Stoner-Kids aus Massachussets geschafft hat, NACH ihrer Reunion vier ausnahmslos großartige Platten in die Welt zu setzen, das gibt einem doch den Glauben an die große Rockmusik zurück! Die Lo-Fi-Ästhetik der frühen Alben ist verschwunden, stattdessen gilt: Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug; Intro, Strophe, Refrain, Solo. Wie kann denn etwas so abgedroschenes einen wie einen verknallten Teenager Grinsen lassen? Und das ein ganzes Album lang? J. Mascis, Lou Barlow und Murph halten ihr Geheimrezept jedenfalls gut unter Verschluss, denn – Dinosaur Jr. Sind die wahrscheinlich beste Rock-Band unserer Zeit.

Man höre sich das Intro von „Be A Part“ an: Wie leichtfüßig sich diese beiden zärtlichen Gitarrensoli gegenseitig umschmeicheln, ohne einen Hauch von arsch-rockiger Großmäuligkeit. Oder „Knocked Around“, diese verletzliche Ballade, die mühelos über eine plötzlich explodierende Bridge einen großartigen Spannungsbogen zu einem der euphorisierendsten Soli der Platte spannt. Und überhaupt und allgemein – Diese Soli! Es ist ein wunderbares Rätsel, wie J. Mascis ohne großartige Innovationen immer wieder diese Endorphin-getränkten Feuerwerke aus seiner Jazzmaster schüttelt.

All diese Gitarren-Magie wäre natürlich nicht möglich, wenn da nicht diese bombenfesten Rhythmusgruppe wäre: Bassist Barlow und Schlagzeuger Murph spielen sich dezent in den Hintergrund und bilden dabei das perfekte Fundament für die Gitarre. Über allem schwebt wie immer Mascis zerbrechliche Stimme, die einen wunderbaren Kontrast zum hyper-maskulinen Rock seiner Songs bildet. Nur selten verliert sich die Band in Rock-Kitsch, wie zum Beispiel im belanglosen „Lost All Day“.

Bei den Songs „Love Is…“ und „Left/Right“ übernimmt Barlow das Mikrofon und das Songwriting. Erstgenanntes Lied kombiniert einen dreckig verzerrten E-Bass mit einem selten gesehenen Gast – der Akustikgitarre! Die Songs des Sebadoh-Gründers sind traditionell die melancholischeren Songs eines Dinosaur Jr. Albums, man denke an „Your Weather“ vom Album „Farm“ oder die Lo-Fi-Collage „Poledo“ von „You’re Living All Over Me“. Barlows tiefere, kraftvolle Stimme und sein unkonventionelleres Songwriting bietet auch auf dieser Platte einen wichtigen Gegenpol zu Mascis.

„Give Me A Glimpse Of What Yer Not“ steht damit genau in der Tradition der Dinosaur Jr.-Renaissance: Ein intelligentes, glücklich machendes Rock-Album. Und plötzlich ist man wieder 14 und hört zum ersten mal „Purple Haze“.



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