Dave Gahan & Soulsavers – Lieder von Glaube und Hingabe.

Eine krachige Gitarre spielt einen schrägen Ton. Dann setzt ein bluesmässiger Groove ein, und die unverkennbare Stimme von Dave Gahan singt “Light shines on you”. Damit beginnt das zweite gemeinsame Werk (Nummer eins erschien 2012) von dem DEPECHE MODE-Frontmann und seinem Mitmusiker und Produzenten Rich Machin alias SOULSAVERS.

Nomen est omen. Läßt sich sagen. Denn Dave Gahan´s Seele (mindestens sein Körper und sein Geist, je nach religiöser oder sonstiger Weltsicht) ist dem Sensemann im Jahr 1996 knapp von der Schippe gesprungen, was wohl nicht das Ende unserer Tage (einige DEPECHE-MODE-Fans werden widersprechen) aber sehr wahrscheinlich den Exit eines der wichtigsten Pop-Phänomene der letzten Dekaden bedeutet hätte. Wie bei Musikern gar nicht so selten waren für das Beinahe-Ableben Drogen die Ursache. Nicht gerade Sekt war im Spiel, auch “´n bisschen kiffen” (Towely) war nicht der Grund. Damals war härteres Zeug auf der Agenda. Heute ist der Sänger clean. Im Nachhinein tritt in so einem Fall bei etlichen Künstlern interessanterweise ein gehöriges Maß an Religion oder Spiritualität oder die Beschäftigung mit Gott beziehungweise Göttern zutage. Nick Cave, von dem später kurz noch mal die Rede sein wird, mag hier als Beispiel dienen.

Dieses Thema könnte einer der Gründe sein, warum auf “Angels und Ghosts” eine Menge Gospel zu hören ist. Die Texte drehen sich um Erlösung, Befreiung, Schicksalsschläge und Hoffnung. Es wird zum Herzerweichen gelitten, getröstet, gejubelt, getrauert und geliebt. Das Album ist nicht besonders weit entfernt von der DEPECHE-MODE-Neubesinnung “Songs of faith and devotion”, wo ähnliche Klänge mit verwandten Themen behandelt wurden, allerdings ist der Hoffnungsfaktor bei “Angels & Ghosts” deutlich höher, was Songtitel wie Lyrics von “Shine” und “My sun” reflektieren. Manchmal wirken einzelne Texte etwas schlagerhaft (“Sail with me, we can fly away”) aber das wollen wir den guten Dave nicht vorwerfen, denn als Gesamtpaket lassen sich die Texte fast schon wie offene Karten in Bezug auf die Persönlichkeit des Musikers lesen und sind damit teilweise recht interessant.

Der Kopf hinter SOULSAVERS ist Rich Machin, der als Kind schon DM-Fan war; laut Eigenaussage seit “Violator” und der unter Anderem mit Mark Lanegan zusammen arbeitete, der ja auch ganz gern mal düstere Gefilde erkundet. Als Dave Gahan und Rich Machin sich zum ersten Mal über den Weg liefen, traute letzterer sich tatsächlich, den Star zu fragen, ob er mit SOULSAVERS als Support mit DEPECHE MODE auf Tour gehen könnte.

Wer wagt gewinnt, sagt das Sprichwort. Hier traf es zu, und nach einer halbjährigen Welttournee beider Bands stand einer Zusammenarbeit der zwei talentierten Herren nichts im Wege. Inzwischen hatte sich herausgestellt, wie gut es menschlich hinhaut, zudem ist die musikalische Komponente interessant. Dave kommt eher aus dem elektronischen Bereich, worin Rich eine Herausforderung sieht: er stellt so jemanden gerne in eine Live-Instrumente-Umgebung und positioniert Musik sowieso gerne auf ungewohnte Weise oder neuem Blickwinkel. Für Dave ist das Ganze auch spannend, weil er Gitarrenmusik wie SIGUR RÒS mag und Gospel und Blues ja sowieso.

Was nach besagter Welttournee folgte, war ein Hin- und Herschicken von Musikfragmenten über den Atlanktik: zwischen Lower Manhatten (Dave) und Stoke (Rich). Als Musiker kamen musikalische Weggefährten von Rick aus aller Welt zusammen, um die Basic Tracks aufzunehmen. Schließlich wurden in L. A. Streicher und Bläser aufgenommen. Dennoch klingt das Album wie aus einem Guß, was von beiden Musikern so gewollt war: es soll den Eindruck erwecken, als hätte eine Live-Aufnahme im Studio stattgefunden. Der raue Sound und die nicht perfekt abgestimmten Instrumente sorgen dafür das dies gut hinhaut – vor allem wenn die perfekt arrangierten Orchestermusiker auf Lärmgitarren treffen, was in wenigstens zwei Songs dann doch an Nick Cave und seine BAD SEEDS erinnert, ohne diese zu kopieren. Somit klingen die Songs teilweise ruppiger und härter als alles, was Dave mit seiner Hauptband jemals auf die Beine gestellt hat.

Schwer zu sagen ob Dave Gahan ab und zu mal Urlaub von seiner Hausband benötigt, ob er sich am eigenen Zopf aus einem emotionalen Sumpf ziehen will (laut Eigenaussage geht es ihm in letzter Zeit in allen Lebensbereichen sehr gut) oder ob er mit neuen Weggefährten etwas andere musikalische Felder beackern möchte. Im Vorfeld äusserte er sich positiv darüber, dass es nicht so hohe Erwartungshaltungen gibt wie bei DEPECHE MODE-Alben und das er deswegen entspannt an die Sache rangehen konnte. Das ist zu hören. “Angels & Ghosts” ist ein gutes Album geworden.

Heute den 30. Oktober 2015 findet ein Konzert von Dave Gahan & Soulsavers in Berlin statt. Dieses ist 24 Stunden lang im Stream abrufbar.

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