Jeder, der einmal ein cooles Hardcore Album fernab von La Dispute und Konsorten hören möchte, kann hier ganz beherzt ein Ohr riskieren.

Welches ist die erste Band, an die der allgemeine Musikhörer denkt, wenn er den Namen Deathwish Inc. hört? Deafheaven, Modern Life is War oder doch Touche Amoré? Egal, welche es ist, eines wird wohl jedem aufgefallen sein. Das Label von Jacob Bannon, seines Zeichens Sänger von Converge, hat in den letzten Jahren eine Reihe von Bands ziemlich nach vorne gebracht. Raus aus dem Underground, rein in das Licht der breiten Öffentlichkeit, wobei das jetzt vielleicht auch etwas übertrieben ist. Eines ist dabei aber sicher. Cold World können sich nicht in die Aufzählung der oben genannten einreihen. Es ist eine dieser Bands, die, wenn man sich etwas tiefgründiger mit der Materie beschäftigt, von der ganzen Szene (schlimmes Wort, ich weiß) gefeiert werden, dem Mainstream aber immer weites gehend verborgen geblieben sind.

Warum dies so ist? Ich weiß es nicht und kann es auch nicht nachvollziehen. Das Debütalbum Dedicated To Babies Who Came Feet First ist ein sehr gutes Album und die Ice Grillz EP gehört wohl zu den besten Hardcore Veröffentlichungen des letzten Jahrzehnts. Anfang August wurde nach sechs Jahren das zweite Album veröffentlicht, welches auf den Namen How the Gods Chill hört.

Der Name ist passend zur Single, die 2011 gemeinsam mit Hip Hop Größe Sean Price veröffentlicht wurde. Dass Cold World Hip Hop Fans sind, wird auch auf der aktuellen Scheibe deutlich. Schon das Intro ist ein Mix aus Hip Hop Beat und Piano, eine wirklich gelungener Beginn. Doch was wirklich interessiert sind die Songs und auch hier ist der Hip Hop Einfluss nicht zu überhören. Mit Meyhem Lauren, Kool G Rap und Max B dürfen drei Rapper auf der Platte ihr Können zum Besten geben, wenn auch letztgenannter nur im Outro. Was dabei rauskommt sind gelungene Rapparts, die den Gesang von Dan Mills wirklich bereichern. Dieser besticht wie schon auf früheren Veröffentlichungen durch sehr klares Shouting. Auf How the Gods Chill wird darüber hinaus allerdings das ein oder andere Mal cleaner Gesang verwendet, welcher aber auch zu Gefallen weiß.

Was mich persönlich auch im Hinblick auf Konzerte etwas enttäuscht ist das häufige Fehlen von Gangshouts, die sich perfekt für Singalongs eignen. Beinhaltete auf der Ice Grillz quasi jeder Song einen solchen Abschnitt ist die Anzahl hier drastisch reduziert worden. Dafür haben die Songs andere Stärken. Der Sound ist rauer geworden, der groovende Gitarrensound bleibt allerdings erhalten.

Insgesamt gilt also auch hier die Devise: Wo Cold World drauf steht, ist auch Cold World drin. Die Texte sind super einprägsam. Inhaltlich geht es um persönliche Probleme und die dunklen Seiten des Lebens. Sicher nichts, was noch nie gesagt wurde, aber es ist auch schwer das Rad ständig neu zu erfinden. Der typische Cold World Sound tröstet darüber hinweg. Vor allem Find Your Way und Omega (mit Guestvocals von Blacklisted Sänger George Hirsch) könnten auch als Songs auch auf früheren Auskopplungen vertreten sein.

The Real Deal gehört zu den besten Songs des Albums und besticht vor allem durch seinen melodischen Refrain und einen der wenigen Parts, die für massiven Singalongs geeignet sind. Dieser Song wird sicher auch seinen Weg in die Livesets finden. Darüber hinaus ist noch Never hervorzuheben. Der mit Abstand längste Song des Albums beinhaltet eines der wenigen Soli, welches aber ebenfalls ordentlich grooved. Die Vorabsingle Hell’s Direction wurde sehr gut ausgewählt, handelt es sich hierbei meiner Meinung nach um den besten Song der Platte. Dazu trägt auch der oben bereits erwähnte Cool K Rap bei. In Zukunft bitte noch mehr Hardcore/Hip Hop Kollaborationen.

Abschließend lässt sich sagen, dass Cold World sich soundtechnisch sicherlich weiterentwickelt haben. Das Album ist anders als die früheren Sachen, aber keinesfalls schlecht(er). Jeder, der einmal ein cooles Hardcore Album fernab von La Dispute und Konsorten hören möchte, kann hier ganz beherzt ein Ohr riskieren.



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