Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet Omen zwei miteinander verknüpfte Ereignisse, wobei das eine als Hinweis auf das Eintreten eines anderen gedeutet wird. Früher sah man Sonnenfinsternisse als eine Art Omen für große Katastrophen. Ein Bild einer Sonnenfinsternis ziert das neue Album des Projektes Atlantis hinter dem der Utrechter Soundtüftler Gilson Heitinga steckt. Das sind erst einmal die Fakten, die man vor dem Hören von Omens auf dem Tisch hat.

Der Name eines untergegangenen Reiches, die Sonnenfinsternis und das sehr dustere Artwork, die Anspielung im Titel auf kommendes Unheil. Dystopischer kann man die äußere Gestaltung eines musikalischen Projektes kaum noch betreiben. Dementsprechend wuchtig, aber auch unvermutet duster kommt diesmal der Sound rüber. Das Vorgänger-Album Mistress Of Ghost hatte noch einige recht eingängige und poppige Postrock-Songs zu bieten, vieles hatte einen leicht proggigen Einschlag. Bei Omens hat Heitinga deutlich mehr Wert auf schleppende, fast schon doomige Gitarrenriffs gelegt, die weite Teile der 6 Songs dominieren. Als ersten Vergleich könnte man hier Russian Circles bemühen, aber alles in Zeitlupe.

Atlantis wären aber nicht Atlantis, wenn dazwischen nicht sphärische Elektronik dem Riffing den nötigen Raum schaffen würde. Bestes Beispiel hierfür ist das epische über 15 Minuten lange “And She Drops The 7th Veil”. Von Anfang an untermalen geisterhafte Flächen, die langsam zueinander findenden Gitarren, kleine elektronische Spielereien setzen Highlights, die Riffmaschine steigert ihre Leistung und eine feine kleine Postrockmelodie durchdringt den Raum. Ein auf und ab in der Songstruktur. Nach jeder Verschnaufpause wird wieder eine Schicht mehr aufgelegt. Irgendwann glaubt man sich in eine Sackgasse gedrängt, wie von unsichtbarer Hand geführt findet man mittels der digitalen Sounds eine Tür in eine scheinbar andere Welt. Aber eigentlich ist das keine andere Welt, organisch entwickelt sich alles auseinander heraus, greift die Themen der anderen Seite wieder auf, entwickelt sie fort zeigt dich aufeinander folgend ihr bedrohliches und ihre schönstes Antlitz in Form von kurzen Gesangseinlagen. Einmal ein verzweifelter Schrei eines Mannes (ist das Heitinga selbst?) und dann die grandiose Stimme der klassisch ausgebildeten Sanne Mus, die auch noch ein kurzes Intermezzo im finalen Omen gibt.

Die vier langen Songs des Albums werden jeweils in Zweierblöcken hintereinander gesetzt und von kleinen dreiminütigen… Songs wäre zuviel gesagt, nennen wir es … Soundgebilden eingeleitet. Das erste “Rapture” kommt eher spielerisch daher und ein vermutlich analoger Synthesizer gibt die blubbernde Marschrichtung vor, das zweite “The Path Into” wirkt bald schon wie ein Dark Ambient Klassiker, auf den einige Szenegrößen sicher neidisch wären. Hier zeigt sich, daß Heitinga, der von Berufs wegen Sounds und Stimmungen für TV-, Werbe- und Filmproduktionen produziert, genau weiß, was er da tut.

Wenn im zweiten Block in “Widowmaker” dann plötzlich forsch losmarschiert wird, hält man für 3 Minuten den Atem an, so prescht der Song nach vorne, nur um so jäher von Stimmensamples einer Frau im verzweifelten Kampf gegen die im Song vorher beschworenen Mächte der Finsternis gestoppt zu werden. Somit entpuppt der forsche Anfang sich eher als Flucht, das Ende ist aber klar, die Riffmaschine ist auch hier nicht zu stoppen, reißt alles Leben nieder, um am Ende nichts als das tragische Klagen der Leadgitarre zu hinterlassen.

Manchmal vermisst man leider etwas den Zusammenhang der einzelnen Songs, die Geschichte hinter dem Gesamtwerk. Vielleicht will Omens aber auch nur Stimmung erzeugen. Dies gelingt dem Album allerdings mehr als gut. Wie schon erwähnt, das ist bei weitem nicht mehr der geisterhafte bzw. zauberhafte Feelgoodsound des Vorgängers, sondern mehr die Dunkelheit während der Sonnenfinsternis, die zwar vorbeigeht, aber immer auch ein Omen für die nächste Katastrophe zu sein scheint. Wer Bock auf komplexe Songstrukturen, Soundexperimente und die dustere Grundstimmung hat, für den könnte Omens ein heißer Anwärter auf den Titel Platte des Jahres werden.