Auf der leider mit knapp dreiundzwanzig Minuten eher kurz geratenen EP befinden sich sechs Titel, welche teilweise noch nicht bekannt sind, während einige Lieder Klassiker im AMIINA-Kosmos darstellen.

Auf ihrem ersten Album „Kurr“ ist ein Gemälde von AMIINA zu sehen: die vier isländischen Musikerinnen sitzen in einer Stube und stricken. Auf den ersten Blick wirkt dieses Bild etwas klischeehaft. Selbst zu Gast in Island war zu merken: es entspricht eher der Realität, denn zuweilen war es so, dass Freunde und ich im Cafe saßen, irgend jemand hatte immer Strickzeug dabei und werkelte – häufig selbst einen Island-Pulllover tragend – an einem weiteren wärmenden Objekt in meist naturbelassener Farbgestaltung.

Natürlich ist Island dennoch keine Ambient-Insel: so gibt es in Reykjavik eine Strasse (aber wirklich nur eine) wo abends, insbesondere im Sommer und noch viel mehr am Wochenende, so gut wie rund um die Uhr Karneval in Rio ist.

AMIINA, die als Streichquartett begannen und durch ihre Album- wie auch Live-Zusammenarbeit mit SIGUR RÒS bekannt wurden, sind nicht von der Loudness- und Party-Fraktion, und der gemalten Leuchtturm auf dem aktuellen Album „The Lighthouse Project“ strahlt Ruhe, Schönheit und in gewisser Weise auch Stärke aus.

Auf der leider mit knapp dreiundzwanzig Minuten eher kurz geratenen EP befinden sich sechs Titel, welche teilweise noch nicht bekannt sind, während einige Lieder Klassiker im AMIINA-Kosmos darstellen.

Vor ein paar Jahren waren AMIINA in Island auf Tour und traten an besonderen Orten auf, wie der auf dem Cover abgebildete Dalatangaviti-Leuchtturm. Vor wenig Publikum wurde in eher intimer Atmosphäre die Musik der inzwischen auf sechs Leute angewachsenen Band präsentiert.

Um das damalige Konzert-Gefühl mit den Fans zu teilen, die aus wohl nachvollziehbaren Gründen nicht bei einem dieser Events dabei sein konnten, wurden jetzt im Studio noch mal einige Tracks neu und live eingespielt. Diese bewegen sich zwischen Kammermusik und Neo-Klassik. Sie kommen ruhiger und reduzierter als die Lieder auf dem Vorgänger-Album „Puzzle“ daher. Glasharfe, Zither, Akkordeon, Glockenspiel und weitere Instrumente geben sich ein Stelldichein. Gesungen wird so gut wie gar nicht, und wenn doch (wie bei „Hilli“), dienen die Stimmen als Instrument. Nicht nur „Kola“ wirkt auf dieser EP wie ein Wiegenlied.

Spannend ist ein Lee-Hazlewood-Cover, und zwar „Leather and Lace“. Mit dem verstorbenen Musiker waren AMIINA bekannt, denn seine letzten Aufnahme fand mit den vier Musikerinnen statt: er sang in „Hilli“.

Das gesamte Album ist neoklassisch mit behutsam eingestreuter Elektronik sowie einem Ambient-Anstrich – das Ganze leuchtet in minimalistischer Schönheit.

01 Perth
02 Hilli (Lighthouse Version)
03 Biolagid
04 Leather and lace
05 Kola (Lighthouse Version)
06 N65 Degrees 16,21 W13 Degrees 34,49

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