Produzent und Mixer von Sigur Rós, Jóhann Jóhannson und Damien Rice, Partner und Kollaborateur von Jónsi, Komponist von Soundtracks – die Liste von spannenden Arbeite von und mit Alex Somers ist lang. Und doch: Als Solokünstler trat Somers bislang nicht in Erscheinung. Mit Siblings und Siblings 2 ändert sich das gleich doppelt. Lest in unserem Review, warum es sich lohnt, diese beiden Alben zu hören.

Wie viele andere auch wurde ich von diesen beiden Alben überrascht, denn ich hatte Alex Somers nicht als Solokünstler auf dem Zettel und so habe ich auch die Vorabreleases nicht einmal wahrgenommen. Über Jónsis Instagram wurde ich dann aber doch aufmerksam, da er die beiden Alben nicht nur als sehr hörenswert empfahl, sondern sich auch als treibende Kraft für das Release der Alben offenbarte – da die beiden zusammenlebten, hatte er die Songs (die zwischen 2014 und 2016 entstanden sind) viele Male durch die Wand gehört und fand sie zu gut und zu schade, um sie nicht zu veröffentlichen.

Und man kann ihm nur zustimmen: Siblings und Siblings 2 sind absolut hörenswert.

Zuerst war ich überrumpelt von so viel Musik auf einmal und so habe ich direkt mit Siblings angefangen und Siblings 2 nahtlos angeschlossen. Und das funktioniert sehr gut, die beiden Alben kann man sehr gut nacheinander hören. Die Stimmung bleibt konstant, die Soundgestaltung ebenfalls und auch der generelle Approach. Man hört direkt zu Beginn, dass Somers mit den oben genannten Künstlern zusammengearbeitet hat: Die beiden Alben sind weitestgehend instrumental, sehr Klavier- und Streicherlastig, mit präsenten elektronischen Elementen und mit sehr wenig Beat – wenn überhaupt Beat vorhanden ist. Dazu gesellen sich immer wieder mal stark verfremdete Vocals und rückwärts abgespielte Parts. Die Stimmung ist generell sehr düster und melancholisch und ganz eindeutig von Soundtrackarbeit beeinflusst.

Bemerkenswert ist, wie sich zeigt, dass Somers auch als Recording-Engineer arbeitet: Wie man die Haare des Kontrabassbogens hört auf Oh Willow I Die, oder aber die Fingernägel auf den Klaviertasten auf Kimblings, die sich nach einiger Zeit als das Hauptelement des Songs herauskristallisieren und erst auf Kimblings 2 (auf Siblings 2) aufgelöst werden: Das ist einfach sehr gut und zeigt, mit welcher Liebe zum Detail hier gearbeitet wurde.

Hörenswert sind die beiden Alben allemal. Und wer – wie ich – die obengenannten Künstler mag, der darf an Alex Somers nicht vorbeigehen. Und doch: Gemessen an meiner persönlichen „Muss ich (unbedingt) auf Vinyl haben-Skala“ erreichen Siblings und Siblings 2 bei mir nicht dieses unbedingte Verlangen die Musik physisch zu besitzen. Für das Erste reicht es mir, die Alben ausschließlich digital zu hören, so sehr fesselt es mich am Ende dann doch nicht. Mein Finger geht schlichtweg nicht sofort zu Replay-Taste wenn die Alben durchgehört sind. Es gibt viele spannende Momente, einige schöne Melodien und eine schöne (wenn auch etwas morbide) Grundatmosphäre. Aber zum absoluten Klassiker und Must-Have reicht es bei mir nicht.

Schreibfehler gefunden? Sag uns Bescheid, indem Du den Fehler markierst und Strg + Enter drückst.

0 0 Stimme
Gesamt