Bereits vor 2 Jahren blickte die Musikwelt überrascht nach Neuseeland angesichts des zweiten Albums Party der heute 29-jährigen Singer-Songwriterin Aldous Harding, das 2017 exakt das Gegenteil von dem war, was der Titel versprach.

Vö: 26.04.2019 4AD LP kaufen

Dargeboten wurden gespenstische Klavier-und-Akustikgitarren-Songs der Marke Slow-Folk, der in jeder Form von Indie-Dilettantismus ein emanzipatorisches Statement oder eine coole Verweigerungshaltung vermuten ließ. Man war sich darin einig: Aldous Harding ist ein Jahrhunderttalent.

Für ihr drittes Album Designer hat sich Harding komplett neu erfunden.

Neben flottem Indie-Pop und nachdenklichen Folk-Songs wird den HörerInnen auch Soul, Jazz und 70s-Softrock angeboten. Sie lässt bei allen Songs den Raum, den ihre beinahe asketisch anmutenden Folk-Songs zum Atmen brauchen, schaltet nur hier und da einen geisterhaften Chor oder ein paar Streicher hinzu.

Der Opener Fixture Picture ist ein sich sehnsuchtsvoll dahin schleppender Popsong im Walzerkostüm, der in seinem eleganten Groove überrascht. Es folgt der Titeltrack Designer, bei dem das stets präsente Schlagzeug den Takt vorgibt. Die akustische Gitarre und das Klavier sind Beiwerk und Harding singt mit klarer deutlicher Stimme im Stil der  70er-Jahre.

Zoo Eyes ist ein offener Reigen, der sich ständig wiederholt und die Flöten bilden den Abgesang. Harding wechselt vom Murmeln zum Singen und zurück. Die Akustikgitarre verleiht Treasure einen leichten Kalypso-Sound und das Klavier führt den Gesang souverän durch das Lied.

The Barrel ist ohne Zweifel der Höhepunkt des Albums. Nicht nur musikalisch auch textlich steht dieser Song deutlich über den anderen Tracks.

In einem beschwingten Sing-Sang tänzelt Harding durch die irritierenden Textzeilen und nimmt die HörerInnen an der Hand mit zum Tanzen. Ein interessanter ausgesprochen merkwürdiger Ohrwurm, wenn man sich darauf einlässt. 

Damn folgt als klaviergetragene Ballade im Stil des Vorgänger-Albums und ist doch deutlich freier und luftiger, wenn da nicht der bitterböse Text wäre, der einen tiefen Blick in die Seele freigibt. Wie eine Bahnhofsuhr bewegt sich das Klavier als Taktgeber durch den Song. Bei Weight oft he planets schaltet Aldous Harding in den Cafe Tropicana-Modus und lässt einen dunklen Männerchor den Refrain nachsingen. Wunderbar weicher Cocktail-Bar-Sound, den man ihr komplett abnimmt.

Bei den ersten Tönen von Heaven ist Empty kommt einem unweigerlich Billy Holiday ins Gedächtnis auch wenn Harding stimmlich deutlich anders klingt. Ein intensives atmosphärisch dichter Song, der mit leichter Instrumentierung nochmal einen Blick zurück wirft. Der finale Song auf dem Album heißt Pilot und ist ein akustisch reduzierter letzter Hilfeschrei. Harding besingt die Vergänglichkeit mit einer bisher nicht gekannten Intensität als sitze sie in einem Kühlhaus.

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