Das ganze Album ist durchzogen von solchen Momenten in denen unerwartet, aber dennoch passend das Tempo reduziert wird, oftmals endet es sogar in ambient-kafkaesk klingendenen Soundcollagen welchen einen mit flauen gefühlen im Bauch zurücklassen, sobald erneut der Vorschlaghammer ausgepackt wird.

Die ersten Worte in einer Rezension zu finden ist stets schwer, erst recht, wenn man gerade ein Album gehört hat, welches eine Grundstimmung vermittelt wie das neue Album von Alaskan, welches auf den Namen „Despair, Erosion, Loss“ hört. Zugegeben, Alaskan war nie einer der Bands auf deren neue Alben ich hingefiebert hab. Ich kam erst relativ spät mit „Adversity; Woe“ in Berührung und mehr als das Prädikat „über dem Durchschnitt“ würde ich aus meiner Erinnerung heraus auch nicht vergeben. Dementsprechend war ich umso überraschter, dass Alaskan es mit diesem Album nun tatsächlich schaffen könnten mich komplett von ihnen überzeugen.

Alles auf Anfang: Verzerrte, dissonante Violinen die die optimale Soundkulisse für den Eingangsbereich eines Kuriosiätenkabinetts darstellen könnten, bilden das Intro zu einem anfangs recht trügerischen schnellen Schlagzeug- und Gitarrenspiel was nicht wie erwartet in einem pfeilschnellen Thrash-Feuerwerk mündet. Vielmehr wird schlagartig 2-3 Gänge zurückschaltet und man hämmernde Gitarrenriffs nehmen einen gefangen. Das ganze Album ist durchzogen von solchen Momenten in denen unerwartet, aber dennoch passend das Tempo reduziert wird, oftmals endet es sogar in ambient-kafkaesk klingendenen Soundcollagen welchen einen mit flauen gefühlen im Bauch zurücklassen, sobald erneut der Vorschlaghammer ausgepackt wird. Der Vorschlaghammer bezieht sich hierbei aber nicht auf die brutale Härte des Sounds, sondern vielmehr auf die enorm dichte Atmosphäre die man mit einem Messer schneiden könnte.

Im Gegensatz zum artverwandten „Animale(s)“von Celeste, welches ein einziger schwarzer Wutbrocken war, gibt es hier zwischen all der Wut und des Schmerzes noch eine gehörige Portion Melancholie und Tragik die wirklich authentisch und nicht aufgesetzt wirkt.

Wie brüderlich die eingangs erwähnten thrashigen und post-rockschen Klänge Hand in Hand gehen können wird gerade in Songs wie „Inferno“ und „Submerged“ eindrucksvoll bewiesen und ausgelotet. Der Sound ist dreckig und rauh, teils treibend und verschlingend aber niemals unterkühlt und abgehoben, alles wirkt sehr organisch und mit Liebe zum Detail. Das Album erscheint in physischer Form am 28. Februar, ist aber bereits jetzt zum „Name your Price“-Download bei Bandcamp verfügbar. Wem, wie mir, die bisherigen Alben vielleicht nicht ganz zugesagt haben, sollte also zumindest jetzt die Chance nutzen und ein Ohr riskieren. Ich werde jetzt nachsitzen und mir die „alten“ Alben noch einmal genauer anhören.



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