Andere Menschen sitzen bei diesen Temperaturen draussen, aber manch ein Verrückter begibt sich in all der Hitze auch noch zu Konzerten – und die finden bekanntlich meistens drinnen statt, meistens auch in der Anwesenheit anderer Leute. So auch dieses mal wieder – das vierte Konzerte in nicht mal zwei Wochen für die beiden PiN-Reporter, die bei diesem Wetter scheinbar nichts besseres zu tun haben, als Saunagang und akustischen Genuss zu kombinieren. Nach God Is An Astronaut, zweimal Kreis, Red Apollo, Holy und Jag Hatar, nun also Terraformer, im heimischen (Fabian) oder sehr nahen (Robin) Duisburg.

Dazu ein wenig Vorgeschichte: Im März diesen Jahres bot der Proberaum der Duisburger Post-Rock Band Kokomo, die jedem PiN-Leser mittlerweile ein Begriff sein sollte, erstmals Platz für ein kleines, intimes Konzert. Damals traten neben den Duisburgern noch, wer hätte das gedacht, Kreis, Red Apollo und Our Ceasing Voice auf und brachten allesamt den damals angenehm kühlen Proberaum mit aufeinanderfolgenden Soundwänden in Wallungen. Das ganze schrie nach einer schnellen Wiederholung – und so spielt heute die belgische Band Terraformer das zweite Konzert ihrer Europatour.

Die Location an sich könnte schöner nicht liegen: Mitten im Industriegebiet von Duisburg-Hochfeld ist der Proberaum von Kokomo zu finden. (Jungs, falls ihr das lest: ich hoffe ihr verzeiht uns diese ungenaue Positionsangabe – nicht, dass die verdienten Postrockgroupies bald ganz Hochfeld belagern) Zuerst ist allerdings Treppensteigen angesagt, wobei alleine der anschließende Ausblick über das abendlich leuchtende Industriegebiet die Anstrengung und den Preis eigentlich schon Wert ist. Blöd nur, dass industrieromantische Gebäude selten eine Klimaanlage besitzen. Dazu später mehr.

Eintritt muss heute im traditionellen Sinne gar nicht gezahlt werden. In einem Plastikbecher werden Spenden gesammelt. Dafür gibt es neben der Band Bier und Essen umsonst dazu. Feiner Zug von den Herren von Kokomo – dieses Prinzip ist großartig, es bleibt zu hoffen, dass es sich rentiert, mehr davon!

Trotz guter Voraussetzungen kann man die Besucherzahl heute an zwei Händen abzählen. Das gute Wetter und das DFB-Pokalspiel des MSV Duisburg scheinen die Leute vom Besuch abzuhalten. Aber gut, wer keine Kunst in wunderbarem Ambiente genießen will, hat eben Pech gehabt. Manche Bands wären wenig motiviert vor so wenigen Menschen zu spielen. Terraformer beweisen allerdings ab der ersten Sekunde ihres Sets, dass sie nicht zu diesen Bands gehören: Die Belgier bringen wuchtigen Post-Rock der härteren Art (der eher in die Richtung Post-Metal geht) unter die Leute, der mit dichten Riffs ordentlich Druck erzeugt – und das, obwohl hier eine Band in Minimalbesetzung auf der Bühne steht: Die Band besteht nur aus zwei Künstlern, einem Drummer und einem Gitarristen. Ein Bassist oder ein zweiter Gitarrist wird aber bei der Klanggewalt, die das Duo erzeugt, nicht vermisst.

Zu Beginn ist es komplett dunkel im Raum. Das einzige Licht stammt von Mehrfachsteckdosen und blinkenden Effektgräten. Die Atmosphäre ist bis zum Zerreißen gespannt. Erste ruhige Töne, die Spannung steigt weiter. Zeitgleich mit dem ersten härteren Part werden die Zuschauer vom Scheinwerferlicht geblendet. Der Lichtwechsel zwischen hell und dunkel wird noch einige weitere Male während des Sets vollzogen, was trotz oder gerade wegen simpler Ausführung (Bauscheinwerfer, Dunkel, Bauscheinwerfer) unheimlich zur Atmosphäre beiträgt. Zwischenzeitlich klingt auch durch, dass durchaus auch die ein oder andere Sludgegröße Einfluss auf den Stil der Belgier ausgeübt haben. Der Gitarrist holt mit Hilfe der kaum zählbaren Anzahl an Effektgeräten wirklich alles aus seinem Instrument heraus. Mal spielt er eine ruhige eingängige Melodie, dann wieder einen ziemlich frickeliegen Math-Rock-Part, bevor wieder eine gewaltige Soundwand auf die Zuschauer einfällt. Nach knapp 50 Minuten ist der Spaß vorüber und jeder (durchgeschwitzte) Besucher bedankt sich persönlich bei den Beiden für den gelungenen Auftritt.

Kleiner Tipp: Kokomo, mehr solcher Konzerte! Großartig! Und mehr eigene Auftritte, ihr habt euch eure hypothetischen Postrockgroupies wirklich verdient. (Und euren Proberaum will ich auch haben, danke.)

Schreibfehler gefunden? Sag uns Bescheid, indem Du den Fehler markierst und Strg + Enter drückst.