Es war letztes Jahr im August in Amsterdam. Da erlebten zwei PiN Reporter eines der besten Konzerte ihres bisherigen Lebens. Sigur Rós verzauberten die Besucher im wunderschönen Paradiso in einer Art und Weise, die Ihresgleichen sucht. So war es auch keine Frage, dass schnellstmöglich Karten für das Konzert in Düsseldorf geordert wurden. Schon am Eingang der Philips Mitshubishi Electric HALLE (Großschreibung Teil des Markennamens) wird deutlich, dass man sich mit dem Kartenkauf durchaus hätte Zeit lassen können. Die Schlange vor der Halle hält sich in Grenzen. Vielleicht trägt das dazu bei, dass der Einlass um knapp eine halbe Stunde früher beginnt als angegeben. Bei dem Wetter sicherlich für die Zuschauer nicht die angenehmste Entscheidung. Zum Einlass selber lässt sich nur sagen, dass an dieser Stelle wirklich Einiges verbessert werden könnte. Da werden Laptops abgenommen, weil man ja mit der installierten Webcam filmen könnte. In Zeiten der Smartphones ist diese Aussage an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Aber genug gemeckert. Rein in die Halle zum Sitzplätze sichern. Man ist schließlich auch irgendwann aus dem Alter raus, in dem man nach einem langen Wochentag noch drei, vier Stunden stehen kann und außerdem verzichten wir heute ausnahmsweise auf harte Pits.

Zur Vorband I Break Horses gibt es eigentlich nur wenig zu sagen. Kaum betreten die Schweden auf der Bühne, verlassen sie diese auch schon wieder. Der zwischenzeitlich präsentierte Mix aus Indie und Shoegaze ist nicht uninteressant, hat allerdings trotz der kurzen Spielzeit von knapp 25 Minuten seine Längen. Es ist irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Bei der nächsten Tour wäre ein Supportact mit angemessener Spielzeit oder auch gar kein Support wünschenswert.

Nun aber zum Hauptact: Sigur Rós, das heißt nicht nur klanglicher Bombast – was die Ausgestaltung des Konzertes anging, gibt es nichts zu meckern. Begonnen wurde mit einem sehr simplen, aber effektiven weiß-transparenten Vorhang, auf den bei den ersten Paar Songs gigantische Projektionen die Band einnebelten, bevor dieser Vorhang dann mit Lichtblitz und dergleichen bei den ersten lauten Tönen von „Brennisteinn“ dann fiel – so effektiv und überraschend, dass der eine oder andere Zuschauer just in dem Moment, als es auf der Bühne auf einmal hoch her ging, zusammenzuckte. Highlights des Sets sind vor allem Songs des älteren Alben. Egal ob „Glosoli“, bei dem sich Jonsi allerdings einen Textpatzer erlaubt oder „Hoppipolla“, nach gefühlt 1,5 Sekunden hat die Gänsehaut einen fest im Griff. Selbst das vorgetragene Geburtstagsständchen für eine der Streicherinnen lässt einen nach Luft ringen, weil es einfach wie nicht von dieser Welt klingt. Und was Jonsi bei „Festival“ aus seiner Stimme herausholt, hat absoluten Respekt verdient. Die neuen Songs sind zwar keinesfalls schlecht, aber die Magie der älteren Songs will nicht vollständig überspringen.

Alles in allem lässt aber sich sagen, dass es sich um ein schönes Konzert handelte, wenn auch mit ein paar Abzügen, die eher subjektiver Natur sind: Wie schon erwähnt ist die Songauswahl besonders im Vergleich zu Amsterdam mit zu wenigen der zahlreichen imposanten Klassiker gespickt – viel von den letzten beiden Veröffentlichungen, aber einem Sigur Rós-Konzert ohne „Svefn-g-englar“ oder „Ì gær“ fehlt einfach etwas. Und auf „Olsen Olsen“ werden wir ebenfalls weiterhin warten müssen, schade. Immerhin endete das Konzert mit „Popplagið“ – alles andere wäre aber auch einem Sakrileg gleichgekommen. Man stelle sich vor, Caspian ließen ein Konzert nicht mit „Sycamore“ enden. Aber naja… ein Jahr und zwei Alben später ist die Welt eben eine andere. Ein weiterer Kritikpunkt mag die Atmosphäre des Konzerts gewesen sein – eine Mehrzweckhalle wie die Mitshubishi Electric Halle hat eben nicht den Charme einer Location wie es das Paradiso ist. Dafür gab es eben gigantische Projektionen, Lichteffekte und einen Sound, der tatsächlich weder zu leise, noch zu laut, dafür aber wirklich sehr klar war. Die Sitze waren tatsächlich bequem und in unserem Falle – direkt gegenüber der Bühne, mittig – gut positioniert. Aber gut, so einen perfekten Konzerttag wie einstmals in Amsterdam kann man nur schwer toppen.

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