20.30 Uhr. Eine leere Halle wartet auf das Publikum.
Es ist Karneval und es schneit. Schlechte Voraussetzungen um sich heute Abend auf den Weg zu machen und herausfordender Musik zu lauschen. 21.00 Uhr Der Gig wird schon nach hinten verschoben, mangels zahlender Gäste. Doch dann finden sich nach und nach doch noch die hartgesottenen Listener ein.

21.45 Uhr Rhoads aus Bayern, mittlerweile umgesiedelt nach Hamburg eröffnen den Abend.
Das Trio spielt fragile Musik zwischen Indie, Pop, Jazz, Trip Hop und avantgardistischen Purismus. Ein Piano, eine Stimme, ein Bass und ein Schlagzeug. Keine Gitarren und das ist auch gut so. Hier wird eine unglaubliche Spannung über die jazzige fast poppige Note des Sänger/Pianisten und das rockbetonte Drumming von Peter Voigtmann aufgebaut. Die Tupfer zur richtigen Zeit setzt Bassist Jo Leitenmeier.

Kleine Meisterwerke wie Closer und Vanquish entfalten live eine noch grössere Dringlichkeit. Frieder Hepting lässt dem Gesang Raum, er atmet und befreit sich vom ewigen Strophe/Refrain Allerlei. Wenn man dann noch solch wundervolle eigene Interpretationen von Ain’t no Sunshine Bill Withers 1971 und Between the Bars von Elliott Smith bringt, die dem Original noch einige neue Facetten und Hörwinkel abringen, fällt einem die Bewunderung nicht schwer. Neben einigen Songs die nicht auf ihrer E.P. The Box sind und die sollte sich jeder zulegen, der echte und ernsthafte Musik liebt, ist Basement Wonderland ein herausragender Song mit einem der Schwerkraft entgegenwirkenden Euphorie. Don‘ be afraid to follow me down……… …………………da kann ich nicht widerstehen. Gute Musik kann man nicht schlecht reden. Rhoads sind ein Wunder und die passieren bekanntlich nicht oft.

23.00 Uhr Bushman’s Revenge aus Norwegen feiern 10 jähriges Jubiläum mit einer kleinen Tour durch good ‚ol Germany.
Bestehend aus Drums, Bass und Gitarre wird hier Instrumentaljazz geboten. Das genaue Gegenteil von Rhoads. Eine grandiose Stunde von freier und wilder Musik beginnt. Zwischen freejazzigen Abfahrten erdet das Trio ihre Songs immer wieder durch rockige Phrasierungen. Teilweise klingt ihr Sound wie ein Derwisch aus Jimi Hendrix und Mahavishnu Orchestra. Zum Luftholen kommt der Zuhörer fast gar nicht. Dafür kann man drei Profimusikern zusehen die sichtlich Spass an ihrer intuitiven Musik haben. Drummer Gard Nilsen, Basser Rune Neergard ebenfalls Besitzer von Runegrammofon und Even Helte Hermansen an der Gitarre spielen jeweils auch in anderen Projekten und zählen zu den Wegbereitern einer neuen Jazzbewegung aus Norwegen, die durch Hubro Music und eben Rune Grammofon vertrieben wird. We used to sing vom letzten sehr empfehlenswerten Album A little bit of Big Bonanza beendet diesen spannenden Abend. Ich glaube ich habe einen Tinnitus Love Poem forever!!!!!! Das kann nur Musik.

Schreibfehler gefunden? Sag uns Bescheid, indem Du den Fehler markierst und Strg + Enter drückst.