Am letzten Samstag fand zum ersten Mal das Ötzfest im Duisburger Jugendzentrum St. Peter statt. Veranstalter waren die Jungs von Revenge Booking, über deren letztes Konzert ich ebenfalls berichtete. Mit insgesamt 18 Bands wartete ein wahrhaftiges Mammutprogramm auf die Besucher. Dazu gab es wie immer im St. Peter leckeres Essen in Form von Chili, Kartoffelsalat, Börek und weiteren Köstlichkeiten. Ein kleiner Wehrmutstropfen für mich persönlich war die Absage von Oathbreaker, doch Ersatz wurde schnell gefunden.

Pünktlich um 12:30 Uhr startet die Duisburger Band Intense und leitet so einen sehr langen Tag ein. Leider verpasse ich die Band, aber mir wird berichtet, dass es ein guter Auftritt war, bei dem auch schon der ein oder andere Besucher das Tanzbein schwingt.

Für mich beginnt der Tag mit der französischen Band Crossfade. Geboten wird ein solides Hardcore Set, das etwas stumpf rüberkommt. Leider ist der Raum mehr als leer und so will keine Stimmung aufkommen.

Bei der nächsten Band Blind Beliefs ist schon ein wenig mehr los. Die Jungs aus Belgien haben ein paar Freunde aus der Heimat mitgebracht. Ihr Hardcore bewegt sich im modernen New School Bereich. Der Sound der Band gefällt mir wirklich sehr gut. Allerdings sollte der Sänger weiter an seiner Stimme arbeiten, die einige Male versagt. Beendet wird das Set mit einem Trapped Under Ice Cover, welches zu den ersten kleineren Singalongs führt.

Die nachfolgenden Wolfpack unterbieten in puncto Stumpfheit den Auftritt von Crossfade um Längen. Jeder Song ist gekennzeichnet durch überdurchschnittliche Nutzung von Bass Drops. Von Abwechslung ist nichts zu spüren. Da hilft auch der den ganzen Tag über wirklich exzellente Sound nicht weiter. Immerhin reicht es zu vereinzelten Tanzeinlagen im Publikum.

Wesentlich abwechslungsreicher vom Sound her zeigen sich anschließend Running Out, die gemeinsam mit Intense einen Weekender spielen. Zwischen feine Old School Parts mischen sich immer wieder wütende Breakdowns. Publikumsreaktionen bleiben dabei natürlich nicht aus. Die junge holländische Band gewinnt an diesem Tag sicher einige Fans und hat auch noch deutliches Potential nach oben. Hoffentlich finden sie in nicht allzu ferner Zeit ein weiteres Mal den Weg nach Duisburg.

Spätestens bei Done aus Koblenz wacht dann das komplette Publikum auf und ist ordentlich was los im Zuschauerbereich. Vergleichen mit vergangenen Auftritten hat sich die Stimme der Sängers deutlich verbessert und kommt deutlich wütender rüber. Sie fügt sich sehr gut in den eher moshorientierten Sound der Band ein. Auch das gegen Mitte des Auftritts gespielte Hatebreed Cover weiß zu überzeugen.

In Circles aus Jülich spielen heute nur mit einem Gitarristen. Die Band zeigt trotzdem einen guten Auftritt hin. Der groovige, etwas langsamere Hardcore Sound gefällt mir wie immer gut. Allerdings habe ich die Jungs in der näheren Vergangenheit schon deutlich besser gesehen.

Die folgende Band ist für einen Großteil der Zuschauer sicherlich das Highlight des Tages. DLS aus dem Ruhrpott spielen ihre letzte Show. Dazu betritt die Band in Frauenklamotten die Bühne und auch im Publikum sind diverse Verkleidungen zu entdecken. Die Band hat laut eigener Aussage keine Setlist festgelegt, aber wen interessiert das schon? Alle haben Spaß und wer nicht wegen den Ansprachen des Sängers vor Lachen in Tränen ausbricht tut dies spätestens, wenn vor ihm ein Mann im engen, recht nuttig aussehenden Kleid mosht. Überhaupt geht es ziemlich heftig zur Sache im Publikum. Zwischendurch wird noch kurz ein Sektchen auf die letzte Show getrunken. Als Gäste am Mirko tragen die Sänger von Reduction und In Blood We Trust zum allgemeinen Chaos bei. Auch ein Cover von Deichkind findet seinen Weg ins Set, findet beim Publikum allerdings nicht ganz den erhofften Anklang. Nach viel zu kurzen 40 Minuten ist die Show leider vorbei. Man sollte froh sein, dass man dabei war. Diesen Auftritt wird sicher keiner der Anwesenden vergessen.

Die nächste Band Back In Time hat nach dem Auftritt von DLS natürlich einen schweren Stand. Der Saal hat sich deutlich geleert, aber die Band macht das Beste draus und legt einen grundsoliden Auftritt hin. Obwohl es der erste Auftritt im Ruhrpott ist, finden sich auch hier diverse Leute, die sich zu den wütenden Klängen des Quartetts bewegen. In dieser Band steckt auf jeden Fall auch noch Potential.

Anschließend spielt die belgische Band Redemption Denied, die momentan häufig in der Gegend anzutreffen ist. Und das ist auch gut so. Die Band spielt wie eigentlich immer ein gutes Set und verbreitet mit ihrem toughen Hardcore eine wütende Stimmung im Raum. Der Sänger steht keine Sekunde still und sprüht nur so vor Energie. An dem jungen Herrn sollten sich eine Menge Sänger ein Beispiel nehmen, inwiefern man das Publikum motiviert. Der heutige Auftritt ist auf jeden Fall der beste, den ich bisher von der Band sehen durfte.

Wütend geht es auch bei der nächsten Band For My Enemy aus Hamburg weiter, die nach ihrem Auftritt im letzten Dezember zum zweiten Mal im St. Peter spielt. Der heutige Auftritt übertrifft meiner Meinung nach den letztjährigen in Sachen Spielfreude und Härte um einiges. Der ganze Raum ist in Bewegung und spätestens beim Drift Cover brechen endgültig alle Dämme. Trotz teilweise sehr heftiger Aktionen im Publikum gibt es dabei kein Stress. So sollte es sein.

Nun folgt der heimliche Headliner des Tages. Die momentan schwer angesagten Desolated passen mit ihrem Deathcore vielleicht nicht ganz in die Reihe der anderen Bands. Das hält das Publikum aber nicht davon ab, ab den ersten Takten des Openers „Death by My Side“ völlig steil zu gehen. Der Sänger, der verblüffende Ähnlichkeit mit Jesus hat, wird tatkräftig bei seiner Arbeit unterstützt, denn im Publikum finden sich viele textsichere Fans. Darüber gibt es natürlich Mosh soweit das Auge reicht. Mich würde es nicht wundern, wenn diese Band in 2-3 Jahren zu den ganz großen in ihrem Genre gehört. Das Zeug dazu haben sie auf jeden Fall.

Nach Desolated lässt die Euphorie deutlich nach. Die Luft scheint raus zu sein beim Publikum, was unter anderem daran liegt, dass sich mittlerweile 1,5 Stunden Verspätung angesammelt haben und die vorgegebene Endzeit von 24 Uhr sicherlich nicht einzuhalten ist. No Second Chance spielen auf jeden Fall vor einer der kleinsten Zuschauermengen des Tages und auch die im Raum verbliebenden Leute lassen sich nur schwer motivieren. Dabei spielt die Band einen recht ambitionierten Auftritt, auch wenn mir persönlich ihr Hardcore etwas zu stumpf ist.

Auch bei den nachfolgenden Gentlemen’s Sports verschwindet die Lethargie im Publikum nicht vollständig. Zwar gibt es wieder Bewegung und Singalongs im Publikum. Verglichen mit früheren Auftritten der Bands bewegt sich alles aber auf einem sehr gesitteten Niveau. Die Musik der Band ist zwar nicht ganz mein Fall, aber live machen sie immer wieder Spaß. Leider wird heute auch, obwohl mehrfach verlangt, das Crowd Deterrent Cover nicht gespielt.

Durch die Verspätung im Zeitablauf gibt es nun auch Verschiebungen in der Running Order und somit spielt der eigentliche Headliner Only Attitude Counts als nächstes. Die Band feiert demnächst ihr zwanzigjähriges Jubiläum und ist deswegen noch einmal auf Tour. Das scheint allerdings nur wenige Leute zu interessieren, denn der Raum ist wieder nur spärlich gefüllt. Der Old School Hardcore klingt zwar ganz in Ordnung und die Band kommt auch sehr sympathisch rüber, aber Stimmung will trotzdem keine aufkommen. Die Band kann einem dabei fast leidtun.

Bei Black Mask verbessert sich die Stimmung deutlich. Die Amerikaner machen Power Violence und schaffen es dabei einen Großteil des Publikums ein weiteres Mal zum Bewegen zu animieren. Der Sound ist dabei sehr düster und die Breakdowns von der allerbösesten Sorte. Auch die Stimme des Sängers fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Alles in allem ein wirklich guter Auftritt.

Anschließend folgen Eternal Sleep, die momentan mit Black Mask auf Tour sind. Der Sound bleibt düster und das Tempo der Songs ist eher langsam. Die Bands passen auf jeden Fall gut zusammen. Im Publikum herrscht weiter ein reges Treiben. Der Sänger von Eternal Sleep klingt dabei noch böser als sein Vorgänger und gibt auch noch zu fortgeschrittener Stunde alles. Hoffentlich folgen noch weitere Europatouren.

Als eingesprungener Headliner spielen nun Malevolence, die momentan auch ordentlich durchstarten. Ihr Mix aus Hardcore und Metal geht wirklich gut ins Ohr. Vor allem die Soli wissen zu gefallen. Die Gitarristen leisten auf jeden Fall ganze Arbeit. Daneben gibt es natürlich auch wieder heftige Breakdowns, bei denen ordentlich Bewegung im Pit herrscht. Die Band wird auf jeden Fall ihren Weg machen und einen größeren Bekanntheitsgrad erlangen. Umso glücklicher sollte man sein, sie in einem so kleinen Rahmen sehen zu können.

Insgesamt ist das erste Ötzfest sicher eine gelungene Veranstaltung. Allerdings würden für die Zukunft auch 10 Bands ausreichen, damit die Headliner am Ende eines solchen Mammuttages nicht untergehen. Ich werde auf jeden Fall weiter Shows von Revenge Booking besuchen. Die nächste steht schon im November an, wenn Agitator das St. Peter die Ehre beehren.

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