Warum soll man nur zu einem Konzert gehen, wenn man auch zu zweien gehen kann? Besonders, wenn es sich um gute Bands handelt? Wie bei Kreis bereits geschehen, waren nun auch Listener mit einem Doppelkonzertbesuch an der Reihe, das erste in Aachen im (übrigens äußerst pittoresken) Musikbunker, das zweite im FZW in Dortmund.

Und, um es kurz zu sagen: Es hat sich an beiden Tagen gelohnt und es wurde uns, obwohl beide Abende stellenweise sehr ähnlich waren, absolut nicht langweilig. Listener spielten an beiden Tagen ein Set, gemischt aus alten und neuen Songs, die sich durch ihre perfekte, aber doch organische Spielweise live noch ein Stück besser anfühlen als auf Platte. Dabei zeigen alle Beteiligten, vom Schlagzeuger über Gitarristen bis hin zu Bassisten/“Sänger“, dass sie definitiv nicht nur ein Paar Typen mit einem ganz netten Konzept, sondern talentierte Musiker sind. Leider ging Dans Stimme im sonst eigentlich sehr differenzierten Sound ab und zu ein wenig unter, was bei der so getauften Talk Music irgendwie… kontraproduktiv ist. Dafür wurden die Hörer sonst mit einem sehr klaren und dichten Klang entschädigt.

Dabei spielten Listener Stücke quer durch alle Veröffentlichungen – natürlich durfte das aktuelle Album Time Is A Machine nicht fehlen, aber auch fast-schon-Klassiker von Wooden Heart und Stücke von Return To Struggleville fanden ihren Platz in der Setlist – und wurden im Vergleich zu den Albumversionen mit noch ein wenig mehr Wucht angereichert, vor allem hervorgerufen durch akkurates Schlagzeugspiel und dichte Gitarrensounds – sogar ab und zu ein Solo oder eine sehr vergnügliche kurze Improvisation; mit den Worten Dans gesagt: „Always be prepared for Jazz.“

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Dabei habe ich lange keine so sympathische Band mehr auf der Bühne gesehen – ein wenig Plaudern mit den vierzig (Aachen) beziehungsweise knapp hundert (Dortmund) Fans ist da genauso drin wie Zwiegespräche zwischen Dan und (dem einen von beiden) Chris. Dass der eine oder andere Witz dabei nicht immer zündete, rief zwar hochgezogene Augenbrauen hervor, machte die Band aber noch viel… hm… liebenswürdiger.

Zurück zur Musik: In Aachen gab es keine Zugabe, in Dortmund dafür schon – auch wenn im letzten Stück vor der Zugabe fachmännisch das Schlagzeug auseinanderfiel und Gitarrensaiten rissen. Applaus für eine Band, die es schafft, sowohl tiefste, ernste Emotionen und Ausbrüche auf die Bühne zu bringen, die Zuschauer zwischen den Songs durch Ansagen und – ja, ihr lest richtig – kleine Tänzchen zum Grinsen zu bringen. Auch ließ man es sich nicht nehmen, die Besucher nach dem Konzert in einem Tourgästebuch unterschreiben zu lassen oder in Aachen mit jedem noch das eine oder andere Wort zu wechseln.

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Ausserdem: Wer eine sehr amüsante Coverversion von My Sharona spielt (und die ersten Takte erneut gespielt als Zugabe verkauft), hat sowieso ein Platz im Herzen eines jeden Konzertbesuchers verdient. Vielleicht sollten sich Listener überlegen, zusätzlich durch die Lande zu reisen und sich durch sympathisch-unterhaltsames Auf-der-Bühne-stehen-und-Dinge-sagen ein wenig dazu zu verdienen. Das Publikum wird’s sicher freuen.

A propos Publikum: Das hat sich in Aachen ungewöhnlich unnervig verhalten. Fast keine auffälligen Störer oder Aufmerksamkeitssüchtlinge. Dafür definitiv einen Daumen hoch. Irgendwie muss Aachen ja auch seine grauenhaften ÖPNV-Verhältnisse ausgleichen.

Unterm Strich also: Guter Sound, sympathische Band, gute Musik, unnerviges Publikum. Super Abend(e).

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