Samstagabend in Düsseldorf. Während es den Großteil der anderen Reisenden im Regionalexpress wohl in die völlig überfüllte Altstadt zieht begebe ich mich ins beschauliche AK47, um mir für eine schmale Mark ein kleines aber feines Hardcore Konzert anzusehen. Gone to Waste und Dull Eyes haben beide kürzlich ihre Debütalben via Powertrip Records veröffentlicht. Die Alben wurden durchweg mit guten Kritiken aufgenommen und dementsprechend ist der kleine Laden auch gut gefüllt.

Bevor die bereits angesprochenen mit ihren Sets loslegen betreten zunächst My Defense aus Köln die Bühne. Ich habe die Band irgendwann in grauer Vorzeit als Support von 7Seconds gesehen und fand den Auftritt damals, man möge mir die Ausdrucksweise verzeihen, todlangweilig. Dementsprechend überrascht bin ich vom heutigen Auftritt der Herren. Ich werde zwar nicht zum großen Fan mutieren, aber mir gefällt der Mix aus Punk und Old School Hardcore wesentlich besser als damals. Die Songs sind flott und recht eingängig. Darüber hinaus bemüht sich der Sänger sehr energisch das Publikum zu animieren, welches offensichtlich zum überwiegenden Teil für die nachfolgenden Bands gekommen ist. Dabei macht er ordentlich Meter im Publikum, welches dem ganzen Auftritt weiterhin etwas träge gegenübersteht. Es wird aber trotzdem brav applaudiert und insgesamt ist der Auftritt bei gutem Sound ein grundsolider Beginn.

Zu den nachfolgenden Dull Eyes muss ich an dieser Stelle kurz auf die unglaublich positive Entwicklung eingehen. Zu Beginn hat mir die Band überhaupt nicht gefallen und sich in keinster Weise von der Masse abgehoben. Das hat sich mittlerweile geändert. Der Sound irgendwo zwischen Hardcore und den grandiosen Down hat die Band auf jeden Fall ein ganzes Stück nach vorne gebracht. Heute ist die dritte Releaseshow zum Debütalbum Titanomachy. Leider ist die Technik vor allem zu Beginn nicht auf der Seite der Band. Sowohl das Mikro des Sängers als auch das des Gitarristen, welcher auch ab und zu ein paar Zeilen singt bzw. shoutet, sind zu Beginn viel zu leise. Im Verlaufe des Sets verbessert sich zumindest der Mikrosound des Sängers. Das zweite lässt leider bis zum Ende klanglich zu wünschen übrig. Vom sonstigen Sound her gibt es allerdings nichts zu meckern. Zwischen die Hardcore Parts mischen sich immer wieder feine Stoner Riffs, die zum langsamen Kopfnicken einladen. Behutsam eingestreute Moshparts laden allerdings immer noch zum Tanzen ein. Dieser Einladung kommen diversen Leute nach und auch die Texte der neuen Songs sind einigen bereits geläufig. Dementsprechend sind erste kleinere Singalongs zu beobachten. Er ist ein guter Auftritt, der allerdings dank der technischen Probleme bspw. im Vergleich zum diesjährigen Auftritt im Emo-Keller in Essen etwas abfällt.

Gone to Waste machen sich anschließend bereit um den zahlreichen Zuschauern einen würdigen Abschluss des Abends zu liefern. Die Band aus Dortmund liefert in letzter Zeit durchgehend Top Shows ab. Da wird heute Abend keine Ausnahme gemacht. Ich bin mittlerweile überfragt, wie oft ich diese Band im Jahr 2014 bereits gesehen habe, aber es wird einfach nicht langweilig. Meine Meinung scheint ein Großteil der Anwesenden zu teilen. Vor der ersten Sekunde an herrscht Alarm auf und vor der Bühne. Stage Dives, Crowdsurfing, Mosh, Side to Sides, alles was der Herz eines jeden Hardcore Fans begehrt. Dazu gibt es wie immer gute und intelligente Ansagen. Die neuen Songs des Albums Barking Dogs Don’t Bite sind den meisten Leuten bereits in Fleisch und Blut übergegangen und so bildet sich von Beginn an ein großer Pulk vor der Bühne, der eifrig die Texte mit schreit. Der Sound hat sich im Vergleich zu den EPs nicht groß verändert. Moderner Hardcore mit einer ordentlichen Portion Härte wird geboten. Die alten Songs kommen dabei natürlich nicht zu kurz und während Issues gibt es auch das allseits bekannte Feature mit Ex Wolf Down Sängerin Larissa. Darüber hinaus herrscht heute das Motto: Jeder darf mal Singen. Und so dürfen unter anderem die beiden Sänger von Dull Eyes und ein Mitglied von Keep Them Shut aus Dinslaken ihren Teil zum Gone to Waste Auftritt beitragen. Leider gibt es auch hier technische Probleme und so muss kurzerhand der Bassist sein Instrument wechseln. Diese Pause wird allerdings gekonnt durch ein spontanes Spielen des Imperial March überbrückt. Anschließend geht es furios weiter, wobei der Auftritt in Aachen vor knapp einem Monat in seiner Intensität heute nicht ganz erreicht wird. Trotzdem verlassen das AK47 am Ende des Sets nur zufriedene Gesichter.

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