Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Konzert im Druckluft pünktlich beginnt? Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass Rainer Brüderle eher Bundeskanzler wird, als dass dieser Fall eintritt. Aber wie mein alter Musiklehrer schon sagte: „Spaß beiseite, Ernst kommt rein!“. Es wäre vor allem unter der Woche wirklich sehr nett, wenn die ohnehin schon recht spät angesetzten Konzerte (in diesem Fall Beginn um 21:00 Uhr) wenigstens pünktlich beginnen. Vielleicht würde man damit auch noch den ein oder anderen Menschen aus der arbeitenden Bevölkerung in die beschaulichen Hallen des Druckluft locken.

Heute ist das Druckluft zumindest gut gefüllt. Ich glaube, ich hab unter Woche bei einem Post-Rock Konzert dort noch nie so viele Besucher gesehen. Ein sehr erfreulicher Trend. Oder spricht es umso mehr für Ef, die über eine beachtliche Anzahl an verschiedenen T-Shirts verfügen. Das sieht man in diesem Genre auch eher selten.

Als Vorband haben Ef die Hamburger von Nihiling im Gepäck. Diese lassen sich ebenfalls dem Post-Rock zuordnen und geben einen guten Support ab. Die Songs der Band sind vor allem durch härtere Gitarrenwände gekennzeichnet, die zu Gefallen wissen. Die ruhigeren Parts verlieren sich dagegen teilweise in Langeweile. Vor allem der Einsatz des Keyboards geht etwas unter, obwohl der Sound gut abgemischt ist. Der zwischendurch eingestreute Gesang gefällt an einigen Stellen sehr gut, an anderen wieder weniger. Hier kommt das Pech hinzu, dass das einzige weibliche Mitglied der Band so krank ist, dass ihr das Singen sichtlich schwer fällt. Dafür, dass sie den Auftritt trotzdem durchzieht, hat sie auf jeden Fall Respekt verdient. Die Musik wird dazu untermalt von kleinen Filmen, die über einen Beamer gezeigt werden. Vom Gesamteindruck des Auftritts bin ich hin- und hergerissen. Es ist sicherlich nicht schlecht, aber vollkommen überzeugt haben mich Nihiling auch nicht, sodass ich mich wahrscheinlich bei einem weiteren Auftritt von ihnen überzeugen muss. Hoffentlich dann mit komplett gesunder Band.

Nach kurzer Umbaupause stehen Ef auf der Bühne und beginnen ihr Set. Die Band feiert in diesem Jahr in zehnjähriges Jubiläum und hat passend dazu ihr viertes Album „Ceremonies“ veröffentlicht. Nach einer dreiwöchigen Asientour macht die Band nun die europäischen Städte über einen Zeitraum von sechs Wochen unsicher. Leider trifft die Band ein ähnliches Schicksal wie Nihiling, denn der etatmäßige Sänger schafft es gerade noch mit seiner mehr als angeschlagenen Stimme dem Publikum zu erklären, dass er heute nicht singen kann. Eine denkbar schlechte Situation, aber der Gitarrist, der heute zusätzlich als Ersatzsänger fungiert, schlägt sich allerdings wacker. Allerdings ist der Gesang zu Beginn des Sets zu leise, was aber schnell behoben wird. Der Gitarrensound der Schweden ist wirklich eine Wucht und so hat die Band schnell das gesamte Druckluft in ihren Bann bezogen. Neben den Standardinstrumenten findet darüber hinaus auch eine Melodica Verwendung. Auf Videos wird dabei im Gegensatz zur Vorband verzichtet. Die Songs des neuen Albums fügen sich nahtlos in die Reihe schon bekannter Stücke ein. Ein kleiner Kritikpunkt ist an dieser Stelle vielleicht, dass sich die Songs untereinander sehr ähneln. Etwas merkwürdig sind außerdem die Fragen, die in den Pausen dem Publikum gestellt werden. Es wird zum Beispiel nach dem Lieblingsessen der Besucher gefragt. Das Ganze nimmt aber nur kurze Zeit in Anspruch und stört nicht weiter. Vor allem den heftigen Gitarrenparts ist es zu verdanken, dass Ef am Ende ihrer Spielzeit nur zufriedene Gesichter hinterlassen. Vielleicht sind sie nicht die innovativste und abwechslungsreichste aller Post-Rock Bands, aber für einen guten Konzertabend ist die Band auf jeden Fall ihr Geld wert.

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