Seit dem denkwürdigen Konzert von Obituary im Dezember 2012 habe ich dem Turock keinen Besuch mehr abgestattet. Höchstes Zeit dies zu ändern und was bietet sich besser an als ein Auftritt der legendären Crowbar aus New Orleans? Nachdem die Band am Vortag bereits im Kölner Underground gespielt hat wird heute also die Ruhrmetropole unsicher gemacht. Pünktlich um halb 8 werden die Türen des Turock geöffnet und eine noch recht beschauliche Menge an Fans bahnt sich den Weg ins Innere. Der Altersschnitt des Publikums liegt bei ca. 30 Jahren und ist damit höher als ich es erwartet habe. Ab und an sind auch Crowbar Tour Shirts aus den mittleren 90er Jahren zu erkennen. Die Fans halten der Band also schon lange die Treue.

Mit Redrum Inc. gibt es heute nur eine einzige Vorband, bevor der Hauptact die Bühne betritt. Die Band bietet Sludge und eignet sich damit gut als Support. Der Sound lässt leider zu wünschen übrig und so kommen die Songs vor allem zu Beginn recht holprig daher. Auch will keine Stimmung aufkommen. Das Turock ist zu dieser noch frühen Stunde alles andere als gefüllt. Die Leute, die schon den Weg in die Halle gefunden haben, halten sich vor allem im hinteren Teil des Raumes auf und genießen das ein oder andere Bierchen. Der Sänger versucht zwar diverse Male die Leute näher zur Bühne zu bemühen, hat dabei allerdings wenig Erfolg. Dabei wird der Sound gegen Ende hin immer besser und die Songs finden mehr und mehr Gefallen. Mit einem Hinweis auf ihr neues Album, welches dieses Jahr noch erscheinen soll, verlassen Redrum Inc. nach einer knappen Dreiviertelstunde die Bühne. Es ist zwar kein überragender Auftritt gewesen, aber für einen Supportact ist es durchaus ein solider Gig.

Crowbar lassen sich anschließend Zeit. Doch wer mag es ihnen verübeln. Vor allem, da Mastermind Kirk Windstein heute seinen 49. Geburtstag feiert. In der Zwischenzeit füllt sich das Turock bis fast auf den letzten Platz. Nach 40 Minuten hat das Warten dann auch ein Ende und die Band betritt die Bühne. Mit den ersten Takten des Openers „Conquering“ wird die lange Umbaupause direkt aus dem Gedächtnis entfernt und alles was zählt sind die mächtigen Riffs, die die Herren dem Publikum um die Ohren schleudern. Der Sound ist nun sehr gut und der Musik der Band würdig. Kirk Windsteins charakteristische Reibeisenstimme ist gut zu hören und durchdringt die Halle bis in die letzte Ecke. Weiter geht es mit „High Rate Extinction“, welches die Stimmung weiter steigen lässt. Das Publikum beschränkt sich zwar vorerst auf Kopfnicken, aber ausgiebiges Bewegen passt meiner Meinung nach auch nicht zum Sound der Band. Da eignet sich ruhiges Stehen und sich von dem unglaublich groovigen Gitarrensound die Ohren durchpusten. Nach zwei Songs gibt es die erste kleine Pause, in der natürlich direkt ein Geburtstagsständchen für Kirk Windstein angestimmt wird. Der gute Herr mit einem der coolsten Bärte der Metalszene bedankt sich artig. Er scheint heute gut drauf zu sein und bedankt sich beim Publikum auf seine ganz persönliche Art und Weise: Mit einem astreinen Set. Der Louisana Sludge der Band hat auch nach Jahren nichts von seiner Wirkung eingebüßt. Im Verlauf des Konzertes werden alle Hits gespielt. Songs wie „I Am Forever“ oder „Cemetary Angels“ sorgen dafür, dass sich auch Glatzenträger für einen Abend eine lange Matte zum Haare Kreisen wünschen. Nach dem 5. Song stellt sich auch ein kleiner Pogopit ein, der hin und wieder aufbricht. Der wahrscheinlich bekannteste Song der Band „All I Had (I Gave)“ darf natürlich auch nicht fehlen und wird vom Publikum gebührend gefeiert. Nach einer knappen Stunde verlassen Crowbar unter großem Jubel zum ersten Mal die Bühne. Allerdings lassen sie es sich nach zahlreichen Zugaberufen nicht nehmen mit „Let Me Mourn“ einen letzten Song zum Besten zu geben. Dass es dabei zu Beginn kleinere technische Probleme gibt und der Song ein zweites angespielt werden muss stört in diesem Moment auch niemanden mehr. Crowbar haben heute ein weiteres Mal unter Beweis gestellt, dass ihnen in ihrem Genre kaum jemand etwas vormacht. Die Band, deren neues Album bereits im Mai erscheint, wird im Sommer ein weiteres Mal Europa unsicher machen. Mein ganz simpler, persönlicher Tipp: Hingehen!

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