65daysofstatic auf No Man’s Sky-Tour in Hamburg


Habt ihr schon alle fleißig „No Man’s Sky“ gespielt? Nein? Ich auch nicht. Als Nicht-Gamerin möchte ich euch dennoch den Soundtrack zum Spiel ans Herz legen, den 65daysofstatic vor einer Weile als ihr neues Album veröffentlicht haben und mit dem sie aktuell auf Tour sind.

Hamburg, 10.11.2016.

Das Wetter ist dunkelkaltnieselig als ich das Uebel&Gefährlich nahe des Hamburger DOM betrete. Die alte Bunkerfassade ist ehrfurchteinflößend und passt gut in die spätherbstliche Szenerie, doch im vierten Stock, in dem sich der Konzertsaal befindet, ist es schön warm und gemütlich. Gibt es überhaupt eine Vorband?, frage ich mich. Weder auf der Facebook-Veranstaltung noch auf der Website des Ladens gab es Informationen dazu. Ein Blick auf den Merch-Tisch verrät mir, dass es sich wohl um die britische Band Thought Forms handeln muss. Tatsächlich ist es das Vierergespann, das mit einer eher wenig definierbaren Mischung aus Psychedelic, Grunge, Shoegaze und Stoner aufwartet. Sie sind laut, bieten wundervollen weiblichen sowie männlichen Gesang und sind definitiv eine Band, die ich mir noch öfter anhören und ansehen möchte.

Es folgt eine ziemlich lange Umbaupause, bevor es mit 65daysofstatic weitergeht. Ich bin auf die Setlist gespannt. Wie viele Songs vom neuen Album sie wohl spielen werden? Wie viele sehr alte Songs, die ich ja gar nicht gerne mag?

Für mich nicht überraschend, beginnen sie ihr Set mit dem Soundtrack-Opener „Monolith“, der direkt das volle Potential der Band zeigt. Gitarren, dröhnender Bass, sehr viele und durchdringende Synthie-Effekte – Techno-Post-Rock vom Feinsten. Über „Crash Tactics“ geht es weiter zu einem der ältesten Songs der Briten, wenn man nicht sogar sagen kann, dass es sich um den größten, besten, konzerttauglichsten Song handelt. Ein Drum-Klicken, das den Takt vorgibt, eine Glockenspielmelodie und eine aufgeladene Menge vor der Bühne, die die Worte „This band is unstoppable!“ schreit: „Retreat! Retreat!“. Die Musiker fegen über die Bühne, der Song hört sich sehr viel dynamischer an als auf den Tonträgern und das Publikum ist ausgelassen.

Es wären nicht 65daysofstatic, wenn es nicht ebenso bombastisch weitergehen würde. Diese unaufhaltsame Band arrangiert ihre Setlist nicht nach Dynamik, sondern haut einen Knaller nach dem nächsten raus. Der nächste in der Reihe ist „Prisms“ von ihrem vorletzten Album „Wild Light“. Leider gibt es hierbei jedoch technische Probleme. Gitarrist Joe steht an seinem Synthiepult und betätigt energisch einige Regler, die offenbar nicht funktionieren, sodass ein Bühnentechniker sich während des Songs um die Behebung des Problems kümmern muss. „Prisms“ klingt dünner als gewöhnlich. Schade, aber bei vielen Geräten gibt es viel Potential für den Fehlerteufel.

Der weitere Verlauf des Auftritts verläuft offenbar fehlerfrei und der ganze Saal, inklusive der Musiker, wirkt fröhlich. Die Band spielt tatsächlich größtenteils Songs von „Wild Light“, einige ihres aktuellen Albums und ein paar ausgesuchte weitere Songs älterer Veröffentlichungen. Zum krönenden Abschluss servieren sie uns „Safe Passage“, das meiner Meinung nach das bestmögliche Finale für einen Auftritt von 65daysofstatic ausmacht. Für mein Empfinden hätten sie nach diesem Titel keine Zugabe spielen müssen, doch bei einem Konzert ohne Zugabe würde etwas fehlen, oder?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mich 65daysofstatic einmal wieder von ihrer guten musikalischen Qualität überzeugen konnten. Zu sehen, dass eine Band, die so viel Technik in ihrer Musik verwendet, auch live ihren Standard halten kann, ist eine schöne Erfahrung.

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