Ein schier nicht zu bändigender Tumult an Hummeln muss in den Hintern von Käfer K vor sich hin rumpeln. So ließe es sich doch erklären, dass diese Band scheinbar nie genug vom Fahrtwind bekommt und nicht lang nach ihrem ersten richtigen Album „Von scheiternden Mühen“ schon fleißig an neuer Musik werkelt. Es ist eine Geschichte von Freundschaft, Loyalität und Zusammenhalt. In Solinger Waldmeister, circa ein Jahr nach der Veröffentlichung der Platte, haben die Jungs einiges davon zu erzählen und man merkt: Fleiß und Begeisterung für die eigene Sache widersprechen sich keineswegs mit Bodenständigkeit.

 

PiN: Ihr habt in der letzten Zeit sehr viel getourt und es gab von eurer Seite ein paar Krankmeldungen. Habt ihr euch vielleicht übernommen?

Jürgen: Also die Krankheiten hatten auf jeden Fall immer was mit Musik zu tun. Ich hatte zum Beispiel ein Lärmtrauma und auch immer noch einen Tinitus. Bei Micha war es wirklich ein bisschen viel. Wir haben lange überlegt was wir jetzt machen sollen, wenn er erstmal ausfällt. Der Standpunkt von uns dreien war, dass wir vorerst nichts mehr machen, weil Micha ja auch einfach zur Band gehört. Er hat aber vorgeschlagen, dass Martin mitkommt. Martin hat schon bei uns gemercht, geht mit uns feiern und war auch so schon öfter mit uns auf Konzerten und dann finden wir das auch cool. Wenn Micha wieder fit ist heißt das auch nicht, dass die Verbindung abbricht. Wenn er Bock auf uns hat und wir auf ihn, wird er auch wieder mitkommen.

Philipp: Ja und wenn Micha nochmal verhindert sein sollte, wissen wir schon, dass es jemanden gibt, der einspringen kann.

Jürgen: David war auch krank. Der hat sich mit dem Fahrrad betrunken auf die Fresse gelegt.

David: Nee, ich hab das geschoben.

Jürgen: Da war auf jeden Fall klar, dass wir dann ohne ihn nichts machen. Nicht weil Micha eher ersetzbar ist, sondern weil wir einfach zu niemandem eine gute Verbindung haben, der für David hätte einspringen können und da haben wir das Konzert abgesagt.

PiN: „Von Scheiternden Mühen“ ist ja von den diversen Schreibern gut aufgenommen worden. Löst das was bei euch aus? Interessiert euch, was Magazine oder Fanzines über eure Platte sagen?

Jürgen: Schwierig, aber eigentlich ist es mir wichtiger, wenn die Leute aus meinem unmittelbaren Umfeld die Platte cool finden und auch sagen, dass sie meine Persönlichkeit widerspiegelt. Aber die meisten sind vom Gegenteil überzeugt. Es kam auch vor, dass Leute auf einem Konzert von uns waren und nachher sagen: „Ich dachte ihr seid voll die schüchternen Typen.“. Dabei sind wir Säue. Die Musik ist ein Kanal wo wir die andere Seite ausleben können. Zu sehen, dass was zurückkommt ist cool, aber es ist nicht so, dass wir da irgendwie drauf abgehen. Das ist nett und schön, aber wir versuchen jetzt nicht damit noch mehr rauszuholen. Wir wollen auf dem Level bleiben, auf dem wir jetzt sind. Es ist schon wichtig, was Leute über deine Platte schreiben, aber es kommt auch darauf an, wie und wo das geschrieben ist.

PiN: Ihr bietet „Von scheiternden Mühen“ inzwischen auch als Gratis-Download an. Wie kam es dazu?

Philipp: Wir da gerade nochmal drüber geredet, weil wir uns die Frage auch nochmal gestellt haben. Der Hauptgrund ist glaub ich, dass wir gar nicht unbedingt mehr verkaufen wollen, sondern eher, dass mehr Leute zu unseren Konzerten kommen. Wenn die das gut finden und auch richtig Bock haben.

Jürgen: Leute die das wirklich gut finden, würden die Platte auch trotzdem kaufen, weil es dann eine Herzangelegenheit ist und das finden wir schön. Als Adolar den Link zum Download gepostet haben ist auf einmal der ganze Server zusammengebrochen. Und darum ging es eigentlich. Nicht um Kohle, sondern darum, dass mehr Leute die Musik hören.

Philipp: Wir uns auch bewusst, dass wir die ganze Kohle für die Produktion eh nicht rein kriegen. Die ist weg, damit haben wir uns abgefunden. Das ist aber okay. Ich zum Beispiel gebe gern mein Geld für die Musik aus. Andere kaufen sich ein Pferd.

Jürgen: Wir profitieren auf anderer Ebene davon. Auf unseren Konzerten.

PiN: Arbeitet ihr an neuen Sachen?

Philipp: Wir sind gerade am Schreiben, aber dadurch, dass Micha jetzt krank ist verzögert sich das ein bisschen, weil Martin darin dann auch nicht so sehr involviert ist. Er ist dabei und spielt Michas Parts ein und zeigt sie ihm, aber das dauert halt alles etwas. Wir wollen die Platte trotzdem möglichst zeitnah fertig kriegen.

Jürgen: Es ist angepeilt im September ins Studio zu gehen.

PiN: Darf man da Neuerungen erwarten?

Jürgen: Wir reden zwar beim Schreiben darüber, was da so passiert, aber es ist passiert eben irgendwie mit uns. Vorher sind wir mit Ideen in den Proberaum gegangen und jetzt ist eigentlich jeder Song während der Probe entstanden, indem wir einfach eine halbe Stunde drauf los spielen. Man merkt, dass sich unser musikalischer Horizont etwas erweitert hat und wir andere und neue Sachen hören. Und wir sind nicht mehr so weinerlich, wie auf der letzten Platte. Wir spiegeln Gefühle in unserer Musik wieder für die wir sonst keinen Kanal finden. Ich bin zum Beispiel in einer Familie mit fünf Brüdern aufgewachsen. Da gab es immer auf die Fresse, aber kein Heulen. Jetzt sind wir etwas wütender und rauer geworden.

Philipp: Man merkt immer was Leute hören, wenn sie Songs schreiben.

Jürgen: Ja, vor allem bei einer Band wie uns. Wir sind ja jetzt keine Vorreiter.

PiN: Also sind Einflüsse wichtig?

Jürgen: Auf jeden Fall, das streiten wir auch nicht ab.

PiN: Was wären im Moment solche Einflüsse?

Jürgen: Als wir angefangen haben zu schreiben, war es viel Touché Amoré und La Dispute. Auch viel Paan. Wir feiern sehr, was die reißen. Hoffentlich köpfen die uns dafür nicht, aber die Parallelen sind auch nicht so offensichtlich.

Philipp: Wir machen auch kein Copy und Paste, sondern orientieren uns so ein bisschen.

PiN: Die letzte Platte habt ihr bei Lala Schallplatten rausgebracht. Geht die Zusammenarbeit weiter?

Jürgen: Ja natürlich. Das was Tobi uns gegeben hat, können wir ihm gar nicht zurückgeben. Er steht voll hinter uns und wir stehen voll hinter Tobi. Das geht auf jeden Fall mit ihm ein. Ein größeres Label kommt für uns gar nicht in Frage. Wir sind ne Vorband. Wir müssen immer mit einer gleichgestellten oder besseren Bands unterwegs sein. Mit Tobi ist das auch einfach eine Herzensanglegenheit. Wir wissen, was er uns gegeben hat und versuchen ihm das zurückzugeben.

PiN: Wo sind eure Lieblingslocations?

David: In Passau fand ich es super, da waren wir mit Krawehl.

Jürgen: Das war als ob Grundschüler die Ehre hätten einmal bis neun Uhr draußen zu bleiben. Die sind wirklich an die Decke gegangen.

Philipp: Man merkt, dass in Passau generell nicht so viel geht. Wenn dann mal was ist, reißen die einfach alles ab.

Jürgen: Ich spiele gern in Rhauderfehn. Da ist zwar nie viel los, aber das liegt bei uns in der Ecke. Wir kommen ja aus dem Emsland. Und da kommen immer viele alte Kumpels. Die sind immer wieder gewillt was mit uns zu machen, obwohl sie wissen, dass fast niemand kommt. Wir haben da trotzdem Bock drauf und nach dem Konzert wird der Laden auseinandergenommen.

Philipp: Generell spielen wir überall gern, aber nicht so sehr in größeren Läden, wenn es da schon ein Podest für das Schlagzeug gibt. Wir mögen lieber diese ranzigen Läden.

Jürgen: Das Aetherblissement in Köln ist zum Beispiel auch cool.

PiN: Martin, hast du auch schon einen Lieblingsanlaufpunkt?

Martin: Also mit Käfer K war ich nicht in Köln, aber mit einer anderen Band, das fand ich auch super. Und Leibzig! Da gab es das vegane Mett.

PiN: Hat sich seit der Veröffentlichung von „Von scheiternden Mühen“, die ja eure erste richtige Platte war, etwas für euch verändert? Von der Art her, wie die Leute auf euch zugehen vielleicht?

Jürgen: Es ist auf jeden Fall ein bisschen einfacher geworden. Adolar haben uns im letzten Jahr hart mitgerissen. Die haben uns zehn oder elf Konzerte zugeschoben und das hatte aber nicht unbedingt was mit der Platte zu tun, sondern lief eher zwischenmenschlich. Was ich aber auch merke ist, dass unsere Musik noch mehr polarisiert als vorher. Entweder man findet das scheiße und das tun nicht wenige oder man findet das gut. So ein Zwischending gibt es nicht so oft.

Philipp: Ich persönlich bin stolz darauf, weil wir jetzt zum ersten Mal so ein festes Stückwerk Album hatten. Das Gefühl was fertiges und großes zu haben ist für einen selber wichtig.

PiN: Wie steht ihr selbst zu dem Medium Online-Magazin oder Fanzine? Beschäftigt ihr euch mit solchen Seiten?

Jürgen: Ich glaube im Moment wird das ja von vielen ziemlich gehasst oder so ein bisschen belächelt. Viele Bands prangern das ja so an.

Philipp: Weil momentan jeder seinen eigenen Blog eröffnet.

Jürgen: Also ich finde das nicht schlimm. Das ist cooler, als irgendwelchen Mist auf Facebook zu posten.

Martin: Es wird alles immer kurzlebiger. Eine Platte kommt raus und direkt liest man in zehn Blogs eine Review darüber. Bei einem Heft, das in gewissen Abständen erscheint, ist man damit nicht so schnell durch.

Jürgen: Jeder hat die Möglichkeit seine Meinung kundzutun. Es kommt auch darauf an, auf welchem Niveau da geschrieben wird. Wir finden es auch cool einen Verriss zu lesen, aber da kommt es eben auch auf die Qualität an.

Philipp: Blogs an sich sind gut, aber es muss sinnvoll sein.

Martin: Mit einem Fanzine ist es wie mit einer guten Platte. Da hat man was zum anfassen.

Jürgen: Ja, und wenn ein Magazin oder ein Fanzine was schreibt, nimmt man das schon noch ernster.

Philipp: Solche Blogs erlauben aber auch kleineren Bands die Möglichkeit zu Wort zu kommen.

Danke an Käfer K und Bianca Hartmann

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