Bei einem Deerhoof-Album weiß man nie so genau was einen erwartet: Die bisherigen Platten des experimentellen Quartetts aus San Francisco sind meisterhafte Genre-Collagen, präzise Wirbelstürme aus Rock, Pop, Funk, Jazz, Metal und Punk. Nun haben diese Pop-Zauberer mit „The Magic“ ein dreckiges Stück Weird-Rock aus ihrem Zylinder gezaubert.


Deerhoof Greg Saunier verriet uns im interview ein paar der Tricks hinter dem neuen Album.

PiN: Hallo Greg! Nahezu alle bisherigen Deerhoof-Alben waren Konzeptalben. Kannst du uns das Konzept hinter „The Magic“ erklären?

Greg Saunier: Der Kapitalismus verlangt von uns, dass wir unser trauriges Selbst auf die Nummern auf unserem Kontoauszug reduzieren. „The Magic“, die Magie, ist das genaue Gegenteil. Echte, menschliche Natur, die an Liebe glaubt und nicht an diese egoistische Lüge.

PiN: Ihr habt „The Magic“ in einem verlassenen Album in der Wüste von New Mexico aufgenommen. Wieso dort? Hat diese ungewöhnliche Umgebung die Platte beeinflusst?

GS: Wir wollten die Produktionskosten unter 400€ halten, und dieses Büro war BILLIG! Wir hatten auch nur fünf Tage Zeit, und man sagt ja das fluoreszierendes Büro-Licht Menschen schneller arbeiten lässt. Außerdem lebt John (Dieterich, Gitarrist der Band) in New Mexico, und er hat uns Burritos gemacht!

PiN: Wie von euch gewohnt bietet „The Magic“ eine vielseitige Mischung aus unterschiedlichsten musikalischen Stilen und Genres. Habt ihr irgendwelche aktuellen Alben oder Künstler, die euch dabei beeinflusst haben?

GS: „Aktuelle“ Alben? Das ist jetzt fast ein bisschen peinlich… Wir sind natürlich von Alben beeinflusst, aber nicht von aktuellen. „Fear Of A Black Planet“ von Public Enemy, „1984“ von Van Halen — wir haben viel über die Musik nachgedacht, die wir als Kinder geliebt haben.

PiN: Dafür muss man sich ja nicht schämen! Auf euren Platten findet man immer dieses großartige Gefühl von Spontanität, von kalkuliertem Chaos.

GS: Danke!

PiN: Entstehen eure Songs spontan improvisiert oder komponiert ihr sie lange im Voraus?

GS: Tatsächlich sind alle Songs lange im Voraus geschrieben worden: Wir vier schickten uns monatelang mp3s via Mail zu — die wurden alle gelöscht. Nur weil man vier Komponisten mit vielen abgefahrenen Ideen hat, heißt das nicht dass man die auch spielen kann. Als wir diese Ideen dann zusammen in einem Raum ausprobiert haben, ist das alles ganz schnell zusammengewachsen. Das ist unser Geheimrezept: Monate lange, zähe Vorproduktion, fünf Tage panische Produktion, Monate lange zähe Post-Produktion.

PiN: Das einzige Cover auf „The Magic“ ist „I Don’t Want To Set The World On Fire“, der im Original vor über 80 Jahren von The Ink Spots geschrieben wurde. Was hat euch zu dem Cover bewegt?

GS: Ich möchte die Welt nicht in Brand stecken, aber unsere Regierung ist leider gerade dabei! Wie wäre es denn, wenn wir erst einmal an uns selber denken und bevor wir die Welt ruinieren? Wir als Band brauchen kein „Wirtschaftswachstum“, wir müssen nicht die berühmteste Band der Welt werden. Wir sind super glücklich damit, jeden Abend eine Stunde vor ein paar hundert Leuten Musik zu machen. Wir singen und tanzen, mit allen zusammen!

PiN: In den letzten 20 Jahren wart ihr sehr produktiv: 13 Studio-Alben und zahlreiche EPs. Wird es 2017 ein neues Deerhoof-Album geben?

GS: Gute Frage… Mal sehen. „The Magic“ war unsere erste Sommer-Veröffentlichung, und das war eigentlich super so. Aber ich bin auch traurig die Olympischen Spiele verpasst zu haben. Ich hab letztens in einem Restaurant kurz was davon gesehen. Das bewegt mich immer ein bisschen: Diese normalen Menschen, keine Schauspieler, versammelt aus allen Ländern, die mit ihren seltsamen, sinnlosen Aktivitäten das komplette Fernsehprogramm besetzen. Als würde man die eigentliche Bestimmung der Menschheit sehen.

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