Working Men’s Club, Kadavar und Pippa. Und ganz viel Anstehen. So war der Donnerstag in Hamburg.

Der Tag beginnt und endet grün. Mit einem grünen Zug fahre ich in Hamburg ein. Ein grüner Overall verabschiedet mich in die Nacht. Eins nach dem anderen. Nach dem Einchecken geht es zur Spielbude XL, der großen Bühne auf dem Spielbudenplatz. Dieses Jahr steht sie nicht parallel zur Straße, sondern quer. Damit thront sie viel mehr über dem Geschehen. Die gigantische LED-Leinwand tut ihr Übriges. Als ich durch den Einlass will, weisen mich die Ordner:innen auf meinen Rucksack hin. Klassischer Anfängerfehler. So lange war ich nicht mehr auf Konzerten. Natürlich nur ein kleiner Jutebeutel im DIN-A4-Format!

Ticket Desk | (c) Lidija Delovska

Zurück im Getümmel geht es nach einem kurzen Ausflug zum traditionellen Späti-Treff von Audiolith dann als Erstes zu Joplyn ins HÄKKEN. Die Schlange ist lang, man wartet geduldig. Dann bewegt sie sich immer ein Stück vorwärts. Und dann nicht mehr. Einlassstopp. Kann passieren. Denn eben kurz über den Spielbudenplatz und zu Weval II ins Molotow Backyard. Fast. Der Einlass fürs Festivalpublikum ist genauso geschlossen, wie der für Konferenz-Delegates und Presse. Na ja. Kann passieren.

Dann gleich weiter um die Ecke zum Gruenspan. Working Men’s Club spielen dort. Angenehm unangenehm. Da peitscht es heisskalt wie bei HEALTH. Da schwebt es düster wie Joy Division. Da ist Disco dabei wie bei New Order. Das Publikum tanzt auf den zugewiesenen Plätzen, die vier auf der Bühne wirken wie Kraftwerk mit Ian Curtis. Definitiv eine Empfehlung.

Dann geht es schnell wieder rüber zum Molotow. Dort spielen Los Bitchos. Leichter Regen hat eingesetzt. Ich hoffe auf schnelles Reinkommen. Nicht. Wieder Einlassstopp.

Was liegt in der Nähe? Gruenspan! Also wieder zurück, Kadavar steht an. Lupus, Dragon und Tiger kommen ohne langes Intro zur Sache und brettern durch ihre epischen Psychedelic-Stoner-Rock-Songs. Kadavar macht, falls einem irgendwie Gitarrenmusik liegt, richtig Spaß. Da stehen drei, die nicht nur vernarrt in ihre Instrumente und das Performen sind, sondern auch auf das miteinander spielen!

Danach verläuft sich der Abend etwas, ein kurzer Besuch der DIFFUS-Party hier, eine Currywurst am Lucullus dort, ein kurzes Verschnaufen, um Jeremias wenigstens aus der Ferne zu lauschen. Anstehen war heute genug. Letztes Konzert des Abends auf der Spielbude XL ist Pippa. Mit grünem Overall. Ein Konzert, das zwiespältig zurücklässt. Pippa und ihre Musiker wirken auf der großen Bühne etwas verloren, technische Probleme und eisige Temperaturen tun ihr Übriges. Dann aber gibt es Momente, vor allem bei den Songs der heute erschienen EP Lifestream, wo diese Mischung aus Understatement und Verspieltheit, aus Mine und Bilderbuch, äußerst gut funktioniert. Der Abend neigt sich dem Ende zu. Mit der Hoffnung auf weniger Einlassstopps oder besseres Timing bei der Auswahl der Konzerte geht es in die Nacht.

Titelbild: Reeperbahn Festival 2021 | C’est Karma St. Pauli Kirche | (c) Christian Hedel

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