Ein nasser und unfreundlicher Herbsttag matscht sich dem Ende entgegen. Eigentlich will man an einem solchen die eigenen vier Wände nur ungern verlassen, aber wenn Jimmy La Valle, seines Zeichens Post-Rock-Gott und THE ALBUM LEAF-Mastermind zum ersten Mal seit – er selbst vermutet – zwölf Jahren in Leipzig zum kollektiven Meditativ-Tanz-Kurs aufruft, rafft man sich auf.


Trotzdem ist das Naumann’s an diesem Abend leider nicht wirklich vollgestopft. Zwölf Jahre sind eine lange Zeit und auch sechs Jahre, die seit dem letzten Album „A Chorus For Storytellers“ ins Land zogen, sind kein Pappenstiel. Post-Rock und THE ALBUM LEAF haben sich verändert und sind vielleicht ein bisschen in Vergessenheit geraten?!? Eben diesem Genre konnte man die Band zwar nie so richtig zuordnen, dennoch sind es sicher die AnhängerINNEN eben jener instrumentalen Musikrichtung, die früher einen Großteil der ALBUM LEAF-Fanschar ausmachte. Sei es drum, das neue Album heißt „Between Waves“ und ist im August dieses Jahres auf RELAPSE Records erschienen. Die ersten drei Songs des Konzerts sind auch gleich die ersten des Albums („False dawn“, „Glimmering lights“ und „New soul“). Und Jimmy La Valle bringt es so ziemlich auf den Punkt, indem er anschließend das Album vorstellt und hofft, das Publikum würde eben dieses neue Album mögen. Denn darum geht es bei diesem Konzert und dieser Tour – das NEUE ALBUM – und das ist ein bisschen schade. Denn der Hauptfokus des Konzertes liegt eben auf „Between Waves“. Es ist ein durchaus typisches ALBUM LEAF-Album und der Wiedererkennungswert ist klar vorhanden. Dennoch würde ich sagen, die Gitarrenanteile sind noch etwas deutlicher zurückgefahren und die Dominanz der Elektronik auf dieser Platte geht ihren Weg und gibt – besonders live – deutlich die Richtung vor. Da helfen auch wunderbare Trompeten und Violinen, sowie der großartige Schlagzeuger und der punktuelle Einsatz des Glockenspiels nicht so wirklich. Vor allem der – zumindest für meine Ohren – doch viel zu laute Gesamtsound der elektronischen Beats geht hier auf Kosten des Facettenreichtums, den diese Band zweifellos zu bieten hat. Nichtsdestotrotz gehen hier vier wunderbare und hoch-professionelle Musiker zu Werke, die durchaus zu überzeugen wissen, bei deren ganzer Routine jedoch auch ein bisschen das Zwischenmenschliche abhanden gekommen zu sein scheint.

Der Fokus des Konzerts liegt für meinen Geschmack leider zu sehr auf dem neuen Werk, mit dem ich persönlich vielleicht noch nicht ganz warm bin, mit welchem sich möglicherweise unser gemeinsamer Weg – im Sinne von Band und Fan – auch etwas voneinander entfernt hat. So bleibt als Highlight des Abends der Block, bestehend aus „Window“ und „Falling from the sun“, direkt im Anschluss an die ersten drei Songs des Konzerts ein bisschen für sich allein.

Was das Leipziger Publikum angeht, muss man leider wiederholt feststellen: größtenteils hüftlahm und nicht in der Lage, die ersten drei Meter vor der Bühne zu füllen – wodurch meiner Ansicht nach eine grundsätzliche Distanz zwischen Musikern und Publikum hergestellt wird. Geklatscht wurde hin und wieder durchaus ordentlich, aber für eine Zugabe reichte es nicht und dass kann man den Herren um Jimmy La Valle nicht wirklich verübeln. Und somit geht der Abend ohne das auf der aktuellen Tour häufig abschließend gespielte und grandiose „Always for you“ vom 2006er Album „Into the blue again“ zu Ende.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich den quasi perfekten ALBUM LEAF-Support Will Samson, der mit seiner sympathischen und grundsoliden Mischung aus Folk und Ambient – vor allem stimmlich stark an Bon Iver erinnernd – durchaus überzeugt.

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