Das Zivilisation der Liebe Festival hat einen Namen, der irgendwie immer ein bisschen merkwürdig klingt, wenn man es jemandem empfehlen will. Erklärt man es als Ambientfestival, dann ist man noch die Erklärung schuldig was Ambient ist: “Ambient ist sehr reduzierte Musik, meistens ohne konventionelle Struktur, oder Rhythmik. Ein bisschen wie Soundtracks manchmal sind. Oft auch sehr flächig.”

Wobei die Hälfte der Konzerte des Festivals eher Neo-Klassik sind: “Also…äh: neue Musik mit klassischer Intrumentierung, aber befreit von klassischen Schemata und oft auch vermischt mit ein bisschen elektronischer Musik.”

Jedes Jahr stehe ich also vor diesem Problem, das Festival für Andere interessant zu machen und jedes Jahr gehe ich doch meistens alleine hin. Das ist ein bisschen schade, denn das Zivilisation der Liebe Festival ist nicht nur wegen seiner Musik, sondern auch wegen seiner Atmosphäre und Organisation außergewöhnlich.

Ort des Konzerts ist das Querhaus der Kirche St. Aposteln am Neumarkt in Köln. Die Sandsteinwände und -decken der Kirche werden illuminiert von Lichtinstallationen. Vorne sitzen und liegen die Zuschauer auf Teppichen, direkt vor den ebenerdig auftretenden Künstlern und der Sound im hohen hallenden Kirchenschiff ist so wunderbar wie einzigartig.

Auch die Kälte in der Kirche trägt noch zur Atmosphäre bei, genau so wie die respektvolle Stille des Publikums während der Konzerte.

Das Line-Up in diesem Jahr ist wohl das beste in der achtjährigen Geschichte des Festivals. Gespickt mit Namen wie Machinefabriek, Simon Scott, Thomas Köner, Lubomyr Melnyk und Nils Frahm, ist es wohl auch das bisher internationalste und wenn die Besuchszahlen wie in den letzten Jahren noch weiter steigen wohl auch das am besten besuchte.

Aber eigentlich waren es nie die Namen, die das Line-Up groß gemacht haben, sondern die Auswahl, die einen immer wieder überrascht hat mit Konzerten, die fast immer mindestens interessant waren und oft auch großartig. Wie im letzten Jahr, als Nils Frahm zusammen mit Peter Broderick aufgetreten ist, oder Hauschkas technoides Klavierkonzert zum Abschluss am Sonntag.

Ich habe mir, wie in den letzten beiden Jahren wieder Urlaub genommen und bin auf jeden Fall da. Ob alleine, oder nicht, das ist mir in dem Fall ziemlich egal.

17.-20. Jan 2013, Basilika St. Aposteln (Köln)
www.ambientfestival.de

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