Top 10 Alben des Jahres:

1. And So I Watch You From Afar – All Hail Bright Futures

Die Nordiren wissen einfach, wie man leicht zugänglichen Post-Rock macht. Wer sich langsam an dieses Genre herantasten will, dem sei dieses Album ans Herz gelegt. Die Songs versprühen eine Spielfreude, die Ihresgleichen sucht. Was ich der Band vor allem hoch anrechne: Anstatt dem momentanen Trend im Post-Rock zu folgen, bei den Songs nur noch so ohne Klimax dahin zu plätschern, hauen die Herren einem von Beginn an die Riffs um die Ohren. Hoffentlich nehmen sich einige Bands ein Beispiel.

 

2. The Rival Mob – Mob Justice

Ich glaube dieses Album lässt sich am besten durch ein Zitat des Sängers kurz vor Beginn eines Auftritts beschreiben: „This first song we gonna play is not for some political bullshit, it’s for some tough guy pose, it’s not to make a sound like we’re a bunch of fucking romantic poets trying to be sensitive. It’s made for one fucking thing: Moshing really fucking hard.” Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

http://www.youtube.com/watch?v=NDPhtN4VxOQ

 

3. Down to Nothing – Life On The James

Drei Jahre nach ihrem letzten Album sind die Jungs aus Richmond zurück – und wie. Ab dem ersten Song versprüht die Band eine Energie wie eh und je. Die Songstrukturen sind sicherlich nicht komplex, aber wer braucht das in diesem Genre schon. Eingängige Melodien und ein Sänger, der sowohl shouten als auch singen kann, reichen aus, um für eine halbe Stunde für feinste Hardcore Unterhaltung zu sorgen.

http://soundcloud.com/rocksound/sets/down-to-nothing-life-on-the/

 

4. Amenra – Mass V

Die Belgier können einfach nicht enttäuschen. Auch Mass V zieht mich in seinen Bann. Am schönsten sind auf dem Album die Momente, die man klischeehaft als „die Ruhe vor dem Sturm“ bezeichnen könnte. Dieser Spannungsaufbau, der sich bis ins Unendliche zu ziehen scheint, nur um danach die ganze Gewalt freizusetzen: harte, schleppende Riffs, eine düstere Atmosphäre und dazu die markante Stimme das Frontmanns. Sicher keine seichte Kost, aber wer auf dunklen Post-Metal/Sludge steht, kommt an dieser Band nicht vorbei.

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5. Power Trip – Manifest Decimation

Bei dieser Platte frage ich mich bis jetzt: Ist es Hardcore? Ist es Metal? Aber eigentlich ist die Frage völlig nebensächlich, denn egal, was es ist, es versetzt mich in Begeisterung. Nach ungefähr einer Minute des Eröffnungstracks „Manifest Decimation“ wünschen sich wohl sogar überzeugte Glatzenträger eine lange Matte zum Haare kreisen. Die Band macht auf ihrem Debütalbum einiges richtig. Die Gitarrensoli überzeugen auf ganzer Linie und während der acht Songs kommt nicht einmal Langeweile auf. Also, wer auf Hardcore und Metal steht, sollte hier mal ein Ohr riskieren.

 

6. Cult Of Luna – Vertikal I

Cult Of Luna schaffen es in diesem Jahr, mit „Vertikal I“ und „Vertikal II“ gleich zwei Alben auf den Markt zu bringen. Besser gefallen hat mit dabei der erste Teil. Nach dem Intro, welches mich stark an Soundtracks von 80er Jahre Actionfilmen ・ la „Die Klapperschlange“ erinnert, gibt es mit dem folgenden ersten Song auch direkt die volle Breitseite Soundgewitter. Drei Gitarren erzeugen eine Soundwand, die Ihresgleichen sucht. Dazwischen gibt es, viel zu entdecken. Die nachfolgenden Songs stehen dem im Nichts nach. Sicher keine Platte für nur einen Durchlauf.

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7. Tides From Nebula – Eternal Movement

Ein Album für Vertreter und Fans des ruhigeren Post-Rocks. Das Piano steht im Vordergrund und leistet ganze Arbeit. Hier und da hätte vielleicht etwas mehr Härte nicht geschadet, aber alles in allem hat die Band aus Polen ein sehr eingängiges Album geschaffen, welches auch Genreeinsteiger begeistern könnte.

 

8. Oathbreaker – Eros|Anteros

Dieses Album wird wohl in die Geschichte eingehen als das Album, mit dem Oathbreaker einer breiteren Masse bekannt wurden. Wirklich unglaublich, wie viele Leute in diesem Jahr diese Band für sich entdeckt haben. Es sei dem Quartett um die Sängerin, die zu 87% aus Kopfhaar besteht, gegönnt. Unfassbar, welche Töne aus diesem zarten Persönchen herauskommen. Man sollte sich nicht vom Aussehen täuschen lassen. Wobei im Gegensatz zum Vorgängeralbum „Mælstrøm“ doch etwas sanftere Töne angeschlagen werden, was allerdings auch zu gefallen weiß.

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9. Deafheaven – Sunbather

Mit ihrem zweiten Album liefert die Band ein Werk ab, das sicherlich irgendwann einmal als Klassiker des Genres bezeichnet wird. Doch das Genre zu definieren, ist schwerer, als manch einer zu denken vermag. Die Band hat es meiner Meinung nach als erste Band seit langer Zeit geschafft, ein völlig neues Genre zu kreieren. Ein Sound, den man in dieser Form noch nicht gehört hat. Nachahmer wird es durch den Erfolg sicher viele geben, aber alle werden sich mit „Sunbather“ messen müssen.

 

10. Rotting Out – The Wrong Way

Die Band aus dem sonnigen Kalifornien mausert sich immer mehr zu einer meiner favorisierten Hardcore Bands. Das aktuelle Album trägt seinen Teil dazu bei, wenn es auch nicht an den Vorgänger „Street Prowl“ rankommt. Trotzdem ein rundum gelungenes Album. Die Band bleibt ihrem Sound mit einem ordentlichen Schuss Punk treu und wird damit auch sicher in den nächsten Jahren die Bühnen dieser Welt unsicher machen.

 

Bestes Konzert: The Rival Mob, KavKa, Antwerpen

Diese 30 Minuten waren das Highlight meines diesjährigen Konzertjahres. So viel Energie versprühte keine andere Band. Dies hatte völlige Publikumseskalation von der ersten bis zur letzten Sekunde zur Folge, ohne Stress, ohne Schlägereien. Einfach nur eine halbe Stunde lang eine wahnsinnig gute Zeit. Dass mein erster Stagedive dabei unsanft auf dem Boden endete, tut nichts zur Sache. Die 200 Kilometer Anfahrt nach Antwerpen hatten sich schon nach dem ersten Song doppelt und dreifach gelohnt. Mehr von solchen Shows bitte.

 

Bestes Festival: Pukkelpop

Wenn es ein Festival schafft, dass die Besucher nacheinander Nine Inch Nails, Eminem und Godspeed You! Black Emperor gucken können, dann hat es sich den Titel „Bestes Festival“ redlich verdient. Die Vielfalt des Pukkelpops ist wirklich unschlagbar mit insgesamt acht Bühnen, auf denen von Klangkarussell über Opeth bis hin zu The Knife alle nur erdenklichen Genres einen Platz finden. Dagegen kommt dieses Jahr auch das Ieperfest nicht an, welches aber insgesamt deutlich eher meinen Geschmack trifft.

 

Enttäuschung des Jahres: Bulldoze beim Filled With Hate Fest

Was habe ich mich darauf gefreut, diese Hardcore Legende einmal live sehen zu können. Der ganze Tag war bis dahin wirklich gelungen mit vielen guten Sets und dann war es Zeit für Bulldoze als Headliner. Es war ein Trauerspiel. Der Sänger war voller als ganz Köln am Rosenmontag und torkelte von einer Bühnenseite zur anderen. Irgendwann fand er seinen Platz: an eine Box geklammert, auf der ein riesiger Becher Wodka-O stand. Einfach nur peinlich.

 

Glücklichster/Traurigster Moment des Jahres in Sachen Musik

Jeder Mensch, der sich viel mit Musik beschäftigt und Konzerte besucht, hat zwangsläufig eine Liste von Bands, die er/sie gerne noch live erleben möchte. Und in der Regel steht auf dieser Liste auch diese eine Band, die unerreichbar zu sein scheint. Auf meiner Liste heißt diese Band No Warning. Die Band, die sich 2005 aufgelöst hat, hat mit „Ill Blood“ eines der besten Hardcorealben aller Zeiten erschaffen. Die ehemaligen Mitglieder spielen mittlerweile in anderen Bands wie Terror oder Fucked Up. Jedes Jahr gab es News über Reunions, die sich alle als Fake entpuppten. Doch dann, am 5. Juni 2013 gab es die Bestätigung. No Warning sind zurück. Nachdem ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte, las ich den ganzen Artikel über eine neue 7 Inch und konnte meine Freude kaum im Zaum halten. Doch dann machte sich mit dem letzten Satz des Artikels Ernüchterung breit. Neue Platte ja, Shows nein. Die Freude war zum Großteil verflogen, aber ein kleiner Funken Hoffnung auf eine Tour bleibt erhalten.

 

Persönlichkeit des Jahres

Der Titel Persönlichkeit des Jahres geht an zwei Personen. Es handelt sich um zwei russische Staatsbürger, die ich von Duisburg aus zum oben beschriebenen Konzert von The Rival Mob nach Antwerpen mitgenommen habe. Die Herren waren tatsächlich nur für das Konzert von Russland nach Belgien gereist und hatten die Nacht vorher bei einem Freund in Duisburg geschlafen. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, mussten die Jungs allein neun Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, um ihr Visum zu beantragen. Und alles für den halbstündigen Auftritt einer Band. Dafür haben sie meinen absoluten Respekt. Ich habe oft das Gefühl, dass viele Leute einfach nicht bereit sind, weite Wege für ein Konzert hinter sich zu bringen. An diese Leute: Nehmt euch ein Beispiel an diesen beiden Jungs, nehmt die Wege auf euch, sucht im Netz nach Mitfahrgelegenheiten und besucht Konzerte.

 

Ausblick für 2014

– Neue Alben von Backtrack, Expire, H2O und Mogwai

– Erster Europaauftritt von Modern Life Is War nach der Reunion auf dem Groezrock

– Cold World sind für ein Wochenende in Europa

 

Wünsche für 2014

– Marc bucht Amenra ins Waldmeister

– Ich kann den werten Kollegen Robin Aust endlich davon überzeugen, mit mir eine Hardcore Show zu besuchen

– No Warning spielen doch wieder Konzerte

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