Jason Friedman und Eleanore Everdell haben mit „Red Night“ sicherlich mehr als 100 Leute in der Hand, doch obwohl diese Selbstproduktion sehr glückliche Resultate aufweist, schließt sich der Kreis nicht – übrig bleibt schließlich nur ein Flattern im Popwind.

„Red Night“ fließt wie Wasser oder steht wie Luft, aber handfest wie Erde wird es nie. Vielleicht ist es auch gut, wenn wir genau mit dem konfrontiert werden, was wir erwarten. Nämlich Musik für die Nacht.

Die Nacht nach einer harten Indietronic-Party: Der Schädel klingt nach und projiziert einen Gedanken an den letzten Tanz und jetzt, wo man über den Dächern der Stadt nach Hause fliegt, erhängen wir uns an roten Fäden. Oder so.

The Hundred in The Hands, benannt nach der Schlacht der 100 Toten, stellen sich hier der wichtigsten Frage einer Bandexistenz: Wer wollen wir sein? Der Beantwortung gehen sie hierbei sehr gut aus dem Weg, denn Friedman und Everdell sind in „Red Night“ alles und nichts zugleich.

Bleiben wir aber fair: Bei „Red Night“ haben wir es mit dem erstaunlichen Phänomen des Zweitalbums zu tun. Eine ungeheure Herausforderung an jede Band also, die sich mit dem ersten Album einen Namen machen konnte. Das selbstbetitelte Debütalbum zog definitiv spurlos an mir vorüber, aber im Nachhinein lässt sich wohl vermerken, dass THITH sich dieser schwierigen Aufgabe gut gestellt haben. Dazu gehört auch ihr Veto gegen Majorlabels und Produzenten. Hut ab.

Kritisch sehe ich die gezwungene Diversität auf „Red Night“. „Come With Me“ ist schon ein harter, progressiver Crossover-Track, der den Takt in Gehirne stanzen will. „Faded“, Hitsingle des Albums, ist dagegen atmosphärisch und ausschweifend gemeint.

Es geht viel hin und her, hoch und runter, aber ein eigener Stil erschließt sich mir einfach nicht. Wo die im Internet auftauchenden Vergleiche zu Post-Punk á la New Order auftauchen, bleibt mir ebenfalls ein Rätsel und auch der Bezug auf The Cure ist für mich in diesem Zusammenhang fast blasphemisch.

The Hundred in the Hands sollten aber nicht verzagen, denn zwischendurch konnte ich mich von meinen roten Fäden lösen, segelte weiter über der Skyline und verlor mich in der Nacht. Oder in den Bäumen des Herbstes. Oder im Atem des Engels. Oder in der Tiefe deiner Augen. Oder…

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